Wella und der Steuertrick
Wie die Reimanns Henkel ausstechen könnten

Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann will dem Traditions-Konzern Henkel Wella wegschnappen. Es ist ein Kampf der Dynastien um eine Prestigemarke. Wer gewinnt?
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HamburgEs klingt technisch: Doch ein „Reverse Morris Trust“ könnte die Ambitionen des Dax-Konzerns Henkel ausbremsen – und die deutsche Milliardärsfamilie Reimann zu einem ernst zu nehmenden Spieler im Geschäft mit Drogerieartikeln machen.

Denn das US-Steuersparmodell könnte den Ausschlag dafür geben, dass Procter & Gamble (P&G) die deutsche Friseurmarke Wella an den US-Parfümkonzern Coty verkauft. Deren Hauptaktionäre, die Chemie-Erben Reimann, würden ihr Imperium, das auch einen Kaffeekonzern rund um Jacobs Kaffee umfasst, deutlich vergrößern.

Laut einem Bericht der Zeitung „New York Post“ soll sich P&G bereits für Coty entschieden haben. Es wäre ein Verkauf im großen Stil. Neben Wella würde Coty zwei weitere Kosmetik-Felder von P&G übernehmen: die vor allem in den USA starken Marken Max Factor und Cover Girl. Zwölf Milliarden Dollar soll der Deal wert sein.

Henkel stellt sich bereits auf eine Niederlage ein. Laut Insider-Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen die Düsseldorfer aus dem Rennen sein. Konzernchef Kasper Rorsted fiel bereits am Sonntag durch ein ungewöhnliches Interview in der „WamS“ auf. Mitten im Bieterprozess um Wella, an dem Henkel laut mehreren Medienberichten beteiligt ist, betonte er, sein Konzern könne seine Ziele auch ohne größere Zukäufe erreichen. Offenbar bereitet der Manager die Märkte darauf vor, dass die Düsseldorfer im Bieterkampf scheitern könnten.

Die Reimanns könnten die Unternehmerfamilie Henkel - mit Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah an der Spitze - ausstechen. Ein Henkel-Sprecher wollte die Meldungen zum Zuschlag für Coty nicht kommentieren. Die Henkel-Aktie verlor am Dienstagmorgen in der Spitze 3,7 Prozent auf 100,55 Euro.

Coty bringt offenbar etwas mit, das Rorsted nicht bietet: das Steuersparmodell „Reverse Morris Trust“.

Diese Konstruktion hat P&G bereits bei mehreren Verkäufen, unter anderem von Pringles-Kartoffelchips, genutzt. Sie dient dazu, hohe Steuerzahlungen auf Veräußerungsgewinne zu vermeiden. Dazu spaltet derjenige Konzern, der Sparten verkaufen will, dieses Geschäft in ein neues Unternehmen ab. Anschließend verkauft er die Minderheit daran an einen Partner, der die geschäftliche Führung übernimmt.

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