Weltausstellung: Expo fördert Schanghai und Deutschland

Weltausstellung
Expo fördert Schanghai und Deutschland

Einen guten Monat vor Schluss der Expo gilt das internationale Großereignis in China als voller Erfolg. Besonders die Region und internationale Unternehmen profitieren vom positiven Image der Weltausstellung.
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SHENZHEN. Bis gestern haben knapp 54 Mio. Besucher die kleine Stadt aus Pavillons am Hangpu-Fluss besucht. Die Organisatoren rechnen nun fest damit, bis zum Ende der Veranstaltung am 31. Oktober ihr Ziel von 70 Mio. zu erreichen – und damit die größte Expo aller Zeiten geboten zu haben. Auch die Hoffnungen der chinesischen Regierung scheinen sich zu erfüllen: Der Standort Schanghai hat von der Messe einen kräftigen Schub erhalten. „Die Expo hat nicht nur die Entwicklung der Infrastruktur stimuliert, sondern auch die Kompetenz Schanghais bei der Organisation von Großereignissen demonstriert“, sagt Lian Ping, Chefökonom der Bank of Communications.

Das Image der Stadt als wirtschaftlich besonders vitaler Standort habe zusätzlich gewonnen, sagen Experten. „Die Expo hilft, weitere Banker und Investoren aus dem In- und Ausland anzuziehen“, so Lians Beobachtung. Auf der Expo könne China vieles für seine eigene Entwicklung von anderen Ländern lernen, sagt Lin Tuo vom Institut für Stadtplanung der East China Normal University. Praktisch alle wichtigen Länder zeigen in Schanghai ihre Erfahrungen mit moderner Stadtentwicklung – ein Thema, das für das schnell wachsende China besonders wichtig ist.

China hat große Pläne mit Schanghai. Die Wirtschaftsmetropole soll Vorreiter für eine neue Phase der Wirtschaftsentwicklung des Landes werden. Während die Billigproduktion ins Inland wandert, solle Küstenstädte wie Schanghai Dienstleistungszentren werden und vor allem kreative Branchen anziehen. Wenn das Land eines Tages seine Währung, den Yuan, frei handelbar macht, soll in Schanghai eine Finanzindustrie bereitstehen, die der Wall Street und der Londoner City Konkurrenz machen kann. „Die Stadtregierung sollte mit langfristigen Anreizen um Top-Talente werben“, sagt Ökonom Lian.

Auch Deutschland kann gegenüber dem aufstrebenden China von der Strahlwirkung der Expo zehren. Den deutschen Pavillon haben schon mehr als 3,2 Mio. Neugierige besucht – fast so viel, wie Berlin Einwohner hat. „Es haben uns nicht nur Privatleute besucht, sondern auch Experten und Profis“, sagt Dietmar Schmitz, als Referatsleiter Messepolitik im Wirtschaftsministerium auch Generalkommissar des deutschen Pavillons. „Diese Leute sind in China künftig für die Planung der Städte zuständig.“ Deutschland hat sich einen der aufwändigsten Auftritte geleistet und dafür 30 Mio. Euro investiert.

In den vergangenen Tagen haben sich zudem das Bundesland Nordrhein-Westfalen sowie die Städte Düsseldorf und Köln auf der Expo dargestellt. Auch die in China eher unbekannten deutschen Orte setzen auf Rekorde, um ihre Bekanntheit zu steigern: Der Düsseldorfer Tischtennisspieler Timo Boll hat mit hundert chinesischen Schülern einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Der mehrfache Europameister spielte einen Ballwechsel an, an dem per Rundlauf nacheinander die Kinderschar teilnahm. Auch die deutsche Industrie versucht von der Strahlwirkung des in China so positiv besetzten Ereignisses zu profitieren.

Der Handelskonzern Metro beispielsweise unterstützt den Düsseldorfer Pavillon und ist zugleich einer von nur drei Dienstleistern, die das gesamte Gelände mit täglich mehreren hunderttausend Schaulustigen mit Lebensmitteln versorgen. Der deutsche Anbieter möchte vom steigenden Bedürfnis chinesischer Kunden nach sicheren Lebensmitteln profitieren – eine lange Folge von Skandalen hat die Verbraucher tief verunsichert. Auf der Expo stellt Metro daher eine neue Kennzeichnung für Lebensmittel vor, mit der sich die Zutaten einer Ware lückenlos bis zu den Bauern rückverfolgen lassen. Im Internet lassen sich damit sogar Fotos des Landwirts und seines Hofs aufrufen.

Die Organisatoren der Expo rechnen in den kommenden vier Wochen mit vielen Feiertagen mit einem erneuten Ansturm, der den Besucherrekord sichern soll. Zur Expo 2000 in Hannover waren seinerzeit nur 25 Mio. Besucher gekommen, etwas mehr als die Hälfte der erwarteten Zahl.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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