Welternährungsmesse Anuga startet Anfang Oktober in Köln
Bio-Produkte führen in Deutschland kein Nischendasein mehr

Am Kundenverhalten bekommt der deutsche Lebensmitteleinzelhandel erste Auswirkungen der stark gestiegenen Benzinpreise zu spüren. „Die Verbraucher benutzen zum Einkauf nicht mehr das Auto“, berichtete Dierk Frauen, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels (BVL), gestern anlässlich der Anfang Oktober stattfindenen Welternährungsmesse „Anuga“ in Köln.

ire KÖLN. Von dieser Situation profitierten derzeit vor allem die Händler in den Orten, gleich ob Filialisten oder Discounter, sagte Frauen. Verbrauchermärkte oder SB–Warenhäuser „auf der grünen Wiese“ haben im Augenblick das Nachsehen. Ob dieser Trend anhalten wird, konnte Frauen allerdings nicht sagen.

Sicher ist: Viele Lebensmitteleinzelhändler leiden erheblich unter den steigenden Energiekosten, weil sie wegen der starken Nachfrage nach gekühlten Produkten ihre Kühlflächen erweitert haben. Denn das so genannte „Chilled Food“, dem auf der Anuga wieder ein separater Fachbereich gewidmet wird, bleibt weiterhin ein Wachstumsmarkt. Vom frisch gepressten Orangensaft, über Salate bis hin zur kompletten Mahlzeit hält der Handel alles bereit, was den vorwiegend berufstätigen Kunden in ihrer Mittagspause munden soll.

Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens AC Nielsen sind die Wachstumsraten in diesem Segment sogar überdurchschnittlich: Das weltweite Umsatzplus beträgt bei gekühlten Fertiggerichten zehn, bei frischen Salatdressings neun und bei verzehrfertigen Salaten acht Prozent.

Von diesem Trend profitieren auch mittelständische Einsteiger, die hier noch ihre Marktnische finden: So hat sich beispielsweise das Neusser Unternehmen Tsuami Sushi Bars auf die Herstellung von japanischer Feinkost für den Lebensmitteleinzelhandel spezialisiert und peilt wenige Monate nach dem Start schon einen Jahresumsatz von drei Mill. Euro an.

Weitere Trendthemen der Anuga 2005 werden gesunde Lebensmittel, Wellness und Bio-Produkte sein, wie Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) gestern berichtete. Seit 2001 weist die Anuga den Bio-Bereich gesondert aus und hat jetzt mit der „Organic World“ eine eigene Bio-Plattform mit internationalem Anspruch entwickelt, die von fast 200 Anbietern genutzt wird. „Die Verankerung im traditionellen Lebensmitteleinzelhandel lässt die Bio-Produkte inzwischen über ihre Nischenposition hinauswachsen“, bestätigt Wolfgang Kranz, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH.

Von den insgesamt fast 6 300 Unternehmen, die ihre Produkte vom 8. bis 12. Oktober auf der Anuga ausstellen, stammen mehr als vier Fünftel nicht aus Deutschland, vor zwei Jahren waren 50 Prozent der etwa 160 000 Fachbesucher Ausländer. „Die deutsche Ernährungsindustrie muss hier ihre Chancen nutzen, die Präsenz auf den Wachstumsmärkten in Mittel- und Osteuropa, Asien und Amerika zu stärken“, riet BVE-Chef Abraham. Schon jetzt erwirtschaftet die Branche 20 Prozent ihres Jahresumsatzes von voraussichtlich 130 Mrd. Euro im Ausland.

Die Entwicklung im Inland litt jedoch nach dem gestern vorgestellten BVE-Konjunkturbericht auch im ersten Halbjahr 2005 unter der hohen Arbeitslosigkeit und der anhaltenden Konsumzurückhaltung. Von einer neuen Bundesregierung erwartet der Branchenverband vor allem eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie eine Flexibilisierung des Arbeitsmarkts. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer lehnt BVE-Chef Abraham weiterhin entschieden ab.

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