Welthandel
Krise zum Angucken

Auch die Logistikbranche leidet unter der Krise: Tausende von Güterwagen der Bahn, Hunderte von Containerfrachtern warten auf den Aufschwung. Langsam wird der Platz knapp, um die Waggons und Schiffe abzustellen.

BOCHOLT. Er hat die Krise schon frühmorgens im Blick. Kurz nach dem Aufstehen um sechs Uhr, wenn er seine gescheckte Mischlingshündin an die Leine nimmt, das Rad aus der Garage holt und seine erste Runde dreht. Vorbei an weißen Häuschen mit gepflegten Vorgärten, vorbei an Wiesen und einem Wäldchen. Nach zehn Minuten und knapp drei Kilometern macht der Feldweg eine Rechtskurve, und dann sieht er sie schon leuchten: die gelb lackierten Containerwagen, die auf ungenutzten Gleisen südlich des Bahnhofs im niederrheinischen Rheinberg stehen. Sie bilden eine kilometerlange gelbe Schlange, die irgendwann zwischen Bäumen verschwindet.

"Die Wagen stehen schon eine ganze Weile da", sagt Detlef Jaschek. "Werden einfach nicht gebraucht, dabei sind sie ganz gut in Schuss." Der kleine, drahtige Mann Ende 50 schüttelt den Kopf, packt die Hundeleine etwas fester und setzt sich wieder aufs Rad. Er wird noch einige Male hier vorbeikommen. Auch er wird nicht mehr gebraucht, der arbeitslose Staplerfahrer und Hilfsarbeiter.

Überflüssig, nutzlos, leer stehen sie da, die Containerwagen. Ohne Ladung, ohne Aufgabe, ohne Ziel. Sie warten - auf Arbeit, auf das Ende der Krise. Nicht nur in Rheinberg. Es gibt derzeit zig solcher Orte, an denen sich jetzt für jedermann sichtbar die Wirtschaftslage spiegelt, an denen statistische Daten und abstrakte Beschreibungen fassbar werden.

Im ersten Quartal dieses Jahres ist der Warentransport auf Schienen um 20 Millionen Tonnen und damit um mehr als ein Fünftel geschrumpft - auf rund 75 Millionen Tonnen, meldet das Statistische Bundesamt. Das hat gravierende Folgen für etwa 300 Unternehmen, die in Deutschland Autos und Maschinen, Rohstoffe und Textilien per Eisenbahn befördern.

Die Firmen haben darauf reagiert und Tausende von Schienenfahrzeugen vorübergehend stillgelegt. Es sind allein 35 000, die die Deutsche Bahn in den vergangenen Monaten aus dem Verkehr gezogen hat. Das ist etwa ein Drittel der Kapazitäten.

Um die Güterwagen zu parken, hat die Bahn mehr als 100 Kilometer Schiene angemietet. Das ist in etwa die Entfernung von Hamm nach Duisburg, das Ruhrgebiet in seiner ganzen Länge.

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