Weltluftverband IATA Keine Angst vorm Fliegen

Das Fliegen wird laut Weltluftverband IATA immer sicherer. Kommt es dennoch zu Abstürzen, ist nicht immer die Technik Schuld. Experten sehen einen anderen Trend. Warum auch Hobby-Drohnen eine wachsende Bedrohung sind.
Fliegen wird immer sicherer und die Unfallursachen verschieben sich von der Technik hin zum Faktor Mensch. Quelle: dpa
Luftverkehr

Fliegen wird immer sicherer und die Unfallursachen verschieben sich von der Technik hin zum Faktor Mensch.

(Foto: dpa)

SingapurTrotz einer Reihe von Abstürzen ist 2015 ein besonders sicheres Jahr in der kommerziellen Luftfahrt gewesen. Zu diesem Schluss kommt der Weltluftfahrtverband IATA in seinem am Montag veröffentlichten jährlichen Sicherheitsbericht. Allerdings bezog der Verband den Germanwings-Absturz vom vergangenen März und den Absturz eines russischen Passagierflugzeuges über der Sinai-Halbinsel im Oktober nicht in seine Statistik mit ein. Diese würden nicht als Unfälle gewertet, sondern als absichtliche und rechtswidrige Eingriffe in den Luftverkehr.

Bezogen auf diese beiden Vorfälle sagte IATA-Chef Tony Tyler, die Industrie arbeite daran, das Risiko zu minimieren, dass sich solche Ereignisse wiederholten. Es gebe keine einfachen Lösungen für die Fragen nach psychischer Gesundheit oder Sicherheit, die durch diese Abstürze aufgekommen waren.

Beim Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen starben 150 Menschen. Der Copilot hatte den Airbus A320 nach Erkenntnissen der Ermittler vorsätzlich in ein Bergmassiv bei Le Vernet gesteuert.

Bei dem Absturz des Airbus A321 mit russischen Touristen Ende Oktober über der Sinai-Halbinsel mit 224 Toten gehen Russlands Geheimdienst und Regierungen im Westen von einem Bombenanschlag aus. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) behauptet, den Flieger durch einen Sprengkörper zum Absturz gebracht zu haben.

2015 gab es dem IATA-Bericht zufolge insgesamt 68 Unglücke, bei denen 136 Menschen ums Leben kamen. 2014 waren insgesamt 614 Menschen bei Unglücken gestorben. Der Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt bei 504 Opfern. Statistisch gesehen gab es einen größeren Unfall pro 3,1 Millionen Flüge. Die langfristigen Zahlen zeigten, dass die kommerzielle Luftfahrt immer sicherer werde, so Tyler.

Die unsichersten Airlines der Welt
Rangliste der 60 größten Airlines der Welt
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Einmal im Jahr stellt das Flugunfallbüro Jacdec für das Fachmagazin „Aero International“ ein Sicherheitsranking der 60 größten Fluggesellschaften auf. Die Sicherheit berechnet sich nach der Anzahl der Ausfälle pro Flugkilometer, gewichtet um die Schwere des Unfalls und einen Landesfaktor. Da alle Unfälle der vergangenen 30 Jahre zeitlich gewichtet in die Statistik eingehen, schneiden viele Airlines wegen schwerer Unglücke in der Vergangenheit schlecht ab. Wir zeigen, welche 20 Airlines im Ranking die hinteren Plätze belegen.

Platz 41 – American Airlines (USA)
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Eine der größten Fluggesellschaften der Welt und in der Rangliste relativ weit hinten: American Airlines findet sich mit dem Jacdec-Index von 0,139 (ein niedriger Wert bedeutet höhere Sicherheit) auf Platz 41. Die Airline fusionierte zuletzt mit US Airways und behielt ihren Namen bei. American ist seit sechs Jahren unfallfrei. Doch erst 2001 gab es einen Absturz: Ein Airbus A300 stürzte mitten im New Yorker Stadtteil Queens ab, alle 260 Insassen starben.

Platz 42 – Air China (China)
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Mit dem Startjahr 1988 ist Air China eine der jüngeren Fluggesellschaften in der Rangliste, hat aber bereits zwei Flugzeugverluste erlitten. 2002 starben 129 Passagiere bei einem Absturz. Der Index liegt bei 0,142.

Platz 43 – Alaska Airlines (USA)
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Im September 2011 wurde Alaska Airlines zu einer Geldstrafe von 590.000 US-Dollar verurteilt, nachdem es bei der Wartung einer Boeing 737 zu Regelverletzungen kam – und Jahre später ein Feuer ausbrach. Die letzte große Katastrophe liegt mittlerweile 16 Jahre zurück: Im Jahr 2000 stürzte eine Maschine in den Pazifik. Obwohl die Airline eher unbekannt ist, gilt sie als zukunftsgerichtet: Alaska Airlines war eine der ersten Fluggesellschaften, die Flugscheine und das Check-in über das Internet anbot. Der Index liegt bei 0,163.

Platz 44 – China Southern Airlines (China)
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Die größte Fluggesellschaft des bevölkerungsreichsten Landes der Welt gehört zu den unsichersten Airlines der Welt. Das letzte tödliche Unglück geschah am 8. Mai 1997. Den Piloten des Flugs 3456 misslang bei schwerem Gewitter der erste Landungsversuch in Shenzhen. Bei einem zweiten schoss die Maschine aufgrund des durch den ersten Landeversuch beschädigten Fahrwerks über die Landebahn hinaus. 35 Menschen kamen dabei ums Leben. Index 0,193 – macht Platz 44.

Platz 45 – Thai Airways International (Thailand)
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Die staatliche Fluggesellschaft Thailands war 2012 noch unter den „Top 10“ der unsichersten Airlines. Langsam arbeitet sie sich in sicherere Gefilde. Der letzte große Unfall datiert zwar auf 1998, doch kleine Pannen sorgen für eine schlechte Sicherheitsnote. Zum Beispiel kam im September 2013 ein Flugzeug bei der Landung am Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi von der Landebahn ab, es wurden mehrere Personen verletzt. Der Index für 2015 liegt daher bei 0,216.

Platz 46 – Asiana Airlines (Südkorea)
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Die Südkoreaner mussten in den vergangenen Jahren schwere Zwischenfälle melden. 2013 verunglückte eine Boeing beim Landeanflug auf den Flughafen von San Francisco. Die Maschine setzte vor der Landebahn auf und kam schwer beschädigt auf dem Rollfeld zum Stehen. Drei Personen wurden getötet und 181 Menschen verletzt. 2015 streifte ein Flugzeug beim Landeanflug auf Hiroshima eine Antenne – viele Passagiere wurden verletzt. Das beschert der Airline eine schlechtere Platzierung im Sicherheitsranking (Index 0,241). Drei Flugzeugverluste stehen in der Jacdec-Statistik.

Die Airlines transportierten den Angaben zufolge bei 37,6 Millionen Flügen insgesamt mehr als 3,5 Milliarden Passagiere.

Schon im Januar hatte das Hamburger Flugunfallbüro „Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre“ (JACDEC) diese Entwicklung beschrieben. „Doch der gute Trend ist auch das Resultat eines desaströsen Vorjahres 2014 gewesen, in dem zwei Großraumflugzeuge der Malaysia Airlines verunglückten“, betonte JACDEC-Mitbegründer Jan-Arwed Richter.

Das Unfalljahr bestätige einen langfristigen Ursachen-Trend, schreibt Richter in einer Analyse für das Luftfahrtmagazin „Aero International“. Obwohl Fliegen angesichts von Milliarden sicher beförderter Passagiere extrem sicher sei, verschiebe sich der Fokus der Unfallursachen weg von der Technik und hin zum Faktor Mensch.

Dem Luftfahrverband IATA gehören 250 Airlines an, die zusammen 83 Prozent der kommerziellen Luftfahrtindustrie weltweit repräsentieren.

Hobby-Drohnen stellen nach IATA-Einschätzung "eine wachsende Bedrohung" für Passagiermaschinen dar. Piloten meldeten dem Verband häufig Drohnen an "überraschenden Orten", vor allem in geringer Höhe in der Nähe von Flughäfen, sagte IATA-Chef Tony Tyler am Montag. "Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass dies ein echtes und wachsendes Problem für die Sicherheit von zivilen Flugzeugen ist."

Im Vorfeld des Luftfahrtsalons in Singapur betonte Tyler vor zahlreichen Branchenvertretern, auch er sei "begeistert", wenn er höre, dass Pizza künftig per Drohnen ausgeliefert werden könne. Zugleich sprach sich der IATA-Chef für "umsichtige" Regulierungen aus, damit diejenigen zur Verantwortung gezogen werden könnten, die andere mit unbemannten Fluggeräten gefährden.

Die IATA sorgt sich nach Angaben ihres Drohnen-Experten Rob Eagles vor allem um kleine Fluggeräte, die in geringer Höhe in der Nähe von Flughäfen unterwegs sind und startende und landende Flugzeuge stören könnten. Zudem müsse sichergestellt sein, dass die von den Hobby-Piloten benutzten Funkfrequenzen die Systeme zur Luftraumüberwachung nicht störten.

Allein in den USA hatte das Drohnen-Zentrum des Bard-College zwischen Dezember 2013 und September 2015 mehr als 920 Vorfälle mit Drohnen und Flugzeugen verzeichnet. 36 davon seien "nahe einer Kollision" gewesen, heißt es in einer Studie. Die Piloten von 28 Linienflugzeugen hätten ausweichen müssen, um einem Zusammenstoß zu entgehen.

Laut IATA verfügen bisher lediglich 63 von 191 Mitgliedstaaten der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation über Regelungen zum Gebrauch von Drohnen. In fünf Ländern sei der Einsatz verboten. In neun Staaten werden demnach derzeit Regeln ausgearbeitet.

  • dpa
  • afp
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