Weniger Mehrwegflaschen
Die Einfachstrategie von Coca-Cola

Coca-Cola will die PET-Mehrwegflaschen abschaffen, zumindest die mit 0,5 und 1,5 Litern Inhalt. Die Deutsche Umwelthilfe ist empört. Wird Coca-Cola zur Discounter-Marke?
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Düsseldorf/BerlinEinweg statt Mehrweg. Der Getränke-Konzern Coca-Cola schafft in Deutschland die Mehrwegflaschen aus Kunststoff zum Teil ab. Die Halbliter-Flaschen sowie die mit 1,5 Litern Inhalt sollen im Laufe des Jahres aus den Regalen verschwinden. Das meldete das Unternehmen am Mittwoch. Grund dafür sei, dass Coca-Cola dadurch Abfüllanlagen effizienter nutzen könnten. Außerdem würden zu viele Flaschen nicht dort abgegeben, wo sie gekauft ursprünglich wurden – weswegen die Fahrer zu viele leere Getränkekisten transportieren würden.

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe hält das für Ausreden. „Der Konzern will sich neu aufstellen, dafür wird er aus der USA auf Effizienz getrimmt.“ Höherer Profit mit geringeren Kosten, das stehe bei Coca-Cola momentan auf der Agenda, glaubt Fischer und verweist Branchenkreise.

Coca-Cola in Deutschland verneint die These auf Anfrage des Handelsblatt (Online-Ausgabe). Nur ein Viertel des Mehrweggeschäfts sei von dieser Änderung betroffen, sagt die Sprecherin von Coca-Cola in Deutschland, Stefanie Effner. Der Rest bleibe weiterhin bestehen. „Damit bleibt unser Marktangebot von Mehrweg weiterhin über dem Durchschnitt.“ 2014 hatte Coca-Cola in Deutschland nach eigenen Angaben einen Mehrweganteil von 56,7 Prozent verzeichnet.

Eine Niederlage für das Mehrwegsystem ist die Umstellung trotzdem. Denn Coca-Cola ist Marktführer im Softdrink-Bereich. Diese Maßnahme sei ein Schritt in Richtung der Discounter, meint Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. „Auch, weil der Konzern die Einweg-Cola an Aldi günstiger verkauft als Mehrweg-Produkte an herkömmliche Supermärkte.“ Sprecherin Effner hält dagegen: „Wir wollen alle Kunden bedienen. Der Discounter ist dafür ein wichtiger Vertriebskanal.“ Jedoch seien alle anderen, wie die Gastronomie und die traditionellen Supermärkte genauso wichtig.

Zu Fischers Aussage, die 0,5-Liter-Flasche sei das rentabelste Produkt der Coca-Cola-Firma in Deutschland, meint Effner: „Ich weiß nicht, wie die Deutsche Umwelthilfe darauf gekommen ist.“ Genaue Angaben dazu dürfe sie aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aber nicht machen.

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„Einwegflaschen haben ein zweites Leben“

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  • Mit einem Blick aus der Vogelperspektive lässt sich diese „Problematik“ vielleicht etwas relativieren. Die erste Prämisse, die es im Bezug auf die Säulen der Ökonomie und Ökologie zu beachten gilt ist, dass nur komplementäre Interdependenzen zwischen diesen Dimensionen in der heutigen Zeit zu einem nachhaltigen Mehrwert führen (Das ist Fakt, ob gut oder schlecht ist eine andere Frage). Aus ökobilanzieller Sicht ist natürlich das Mehrweggebinde sinnvoller, als Einweg. (Jetzt kommt das „aber“) Allerdings gilt dies nur, solange es sich um regionale Distributions- und Produktionsstrukturen handelt. Dies ist unter Berücksichtigung der Globalisierung nicht mehr gegeben, was bedeutet, dass die logistische Rückführung auch der Nachhaltigkeit zuwider läuft. Des Weiteren lässt sich ein schier nicht zu stoppender Convenience-Trend erkennen, was bedeutet, dass der Konsument immer weniger dazu bereit ist, die Mehrwegflasche persönlich zurück zum Handel zu bringen. Aber auch der Handel ist in Wirklichkeit kein großer Fan von Mehrweggebinden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die dafür benötigten Sortiersysteme und die damit verbundenen erhöhten Lagerkosten im Effizienzzeitalter in der Handelsbranche sehr willkommen sind.
    Was wäre nun die Lösung dieses Problems. Die Lösung lautet kurz- bis mittelfristig: Schließung der Verwertungskreisläufe und Erhöhung der Recyclatanteile. Und langfristig: intensivere Forschung in Bezug auf Substitutionsmöglichkeiten wie z.B. die Biopolymerforschung. Die Erhöhung der Recyclatanteile würde ab einem gewissen Grad zu einem ökobilanziellen Gleichstand führen und die Erwägung von Substituten steht auch bei CocaCola bereits oben auf der Agenda. Nicht umsonst investierte CocaCola und einige Partner 50 Millionen Dollar in den katalytisch hergestellten Biokunststoff PEF. Warum: PEF hat nicht nur ökologische Vorteile, sondern bringt auch verbesserte Barriere-, Temperatur- und mechanische Eigenschaften als PET mit. Komplementäre Interdependenzen eben!

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