Wenn Piloten sich wie Busfahrer fühlen
Der Albtraum vom Fliegen

Wie die Billig-Fluglinien einen Berufsstand in eine Art kollektive Depression stürzen.

DÜSSELDORF. „Wir sind halt keine Helden mehr“, sagt Pilot Bastiaan van Kooij, 32. Gerade hat er von seinem Vater erzählt. Der galt noch als Halbgott in blauer Uniform: zog aus dem flachen Holland in die Schweizer Berge, setzte sich ins Cockpit der Swissair und durchflog goldene Zeiten der Luftfahrt: Ein Job als Swissair-Kapitän, das war das pralle Leben. New York, Rio, Tokio: schicke Städte, schöne Strände – und edle, weiße Handschuhe für die Landung. 25 Jahre flog van Kooij senior das Schweizerkreuz durch die weite Welt.

Kurz nachdem er in den Ruhestand wechselte, übernahm sein Sohn ein Swissair-Cockpit – schon ohne weiße Handschuhe. Bis zur Pleite im Oktober 2001 durfte er fliegen. Die Bilder von weinenden Swissair-Angestellten gingen damals um die Welt. „Wir würden Sie gern fliegen“, stand auf ihren Schildern.

Inzwischen fliegt van Kooij wieder. Wie mehrere Schweizer Kollegen fand er bei der Billig-Airline Germanwings am Flughafen Köln/Bonn einen neuen Job. Schlechter bezahlt zwar, aber van Kooij klagt nicht: „Eine nette Frau, eine Wohnung und am Ende bleibt was zum Sparen. Wir verdienen doch immer noch gut“, sagt er. Helden aber gibt es nur noch in Formel-1-Cockpits – oder im jüngsten Hochstapler-Film „Catch me if you can“, der das Luxusleben des Möchtegern-Piloten Frank Abagnale jr. beschreibt. Der Absturz ist für viele hart: „Wie Busfahrer behandelt“ fühlten sich viele Piloten, sagt ein Gewerkschafter.

Noch immer werden die Systemmanager der Lüfte zwar von manch bibberndem Passagier bewundert. Doch die Boomzeit ist Geschichte. Kaum begreiflich erscheint heute, dass die Lufthansa-Piloten vor drei Jahren 35 Prozent mehr Gehalt forderten. Es sei inzwischen „mehr der bodenständige Typus gefragt und nicht der Weltenschwärmer“, sagt Hartmut Fabisch, Geschäftsführer der Pilotenschule Intercockpit. „Stagnation“ macht er bei den klassischen Airlines aus.

Im Klartext: Viele müssen froh sein, überhaupt noch fliegen zu dürfen. Gesellschaften wie Swissair, Sabena und Ansett Australia sind geschäftlich abgestürzt, viele weitere fliegen am Rande der Pleite. Experten schätzen, dass die Berufsgruppe seit den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 weltweit etwa 12 000 Jobs verloren hat. In Deutschland sei fast jeder Zehnte der etwa 10 000 Piloten arbeitslos, informiert die Vereinigung Cockpit (VC).

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