Wer unqualifizierte Arbeitnehmer vermittelt, muss knapper kalkulieren
Zeitarbeiter werden teurer

Die Zeitarbeitsbranche bleibt unter Druck. Neben der schwachen Konjunktur bereiten den Unternehmen die staatlich geförderten Personalservice-Agenturen Sorgen. Diese haben bereits in einigen Fällen mit Preisdumping für Schlagzeilen gesorgt.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Wenn im nächsten Jahr die neuen Tarifverträge für Zeitarbeit umgesetzt werden müssen, rechnen Unternehmensvertreter und Experten mit weiteren Umsatzrückgängen.

Besonders Zeitarbeitsfirmen mit einem hohen Anteil an unteren Lohngruppen, wie beispielsweise Randstad (40 %) und Adecco (37 %) werden nach Auffassung von Michael Heider, Analyst bei Berenberg, stark unter Druck geraten. „Die Unternehmen müssen in den Bereichen der geringer qualifizierten Beschäftigten höhere Löhne zahlen. Diese Kostensteigerungen können sie jedoch nicht voll an ihre Kunden weitergeben, was dann zu Lasten der Margen geht.“ Dieser drohende Margenverfall könne nicht durch überproportional steigende Umsätze ausgeglichen werden. „Das geht dann voll zu Lasten der Gewinne“, folgert Heider.

Bei den Zeitarbeitsunternehmen ist denn auch die Stimmung in Anbetracht dessen, was sie mit der tariflichen Neuregelung der Zeitarbeit erwartet, recht gespalten. Während bei den mittleren und kleineren Betrieben Pessimismus vorherrscht, zeigen sich die umsatzstärksten Unternehmen zuversichtlicher.

So erwarten nach einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) 85 % der Befragten steigende Personalkosten, 70 % der Befragten rechnen mit Umsatzrückgang. Dagegen geht Manpower-Deutschland Chef Thomas Reitz von steigenden Erlösen aus. Er will mit der Nummer vier der Branche zweistellig wachsen und auch versuchen, die Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben. Auch Elmar Hoff, Geschäftsführer und CEO von Adecco Deutschland zeigt sich optimistisch. Er sieht auf Grund der neuen gesetzlichen Regelungen Wachstumschancen „und bessere Beschäftigungspotenziale für den deutschen Arbeitsmarkt.“ Randstad-Geschäftsführerin Heide Franken erwartet, dass „wir unsere führende Position ausbauen werden“. Sie sieht durch die neuen Regelungen langfristig mehr Entwicklungsmöglichkeiten für die Zeitarbeit in Deutschland. „Das ist aus unserer Sicht auch dringend erforderlich, um im internationalen Vergleich nicht länger hinterher zu hinken.“

Um auch zukünftig auf Wachstumskurs zu bleiben, haben die Unternehmen ihr Managementkonzept entsprechend ausgerichtet. So werden bei Manpower den Kunden Treuezuschläge berechnet. Wenn sie einen Kandidaten beispielsweise länger als drei Monate beschäftigen, beträgt der Zuschlag 2,05 %. „Ich denke, dass es Kunden gibt, die bereit sind, diesen Zuschlag zu zahlen, weil sie mit dem Kandidaten zufrieden sind und ihn behalten wollen“, meint Reitz.

Heide Franken hat vor allem auf die Kostenbremse getreten. „Eine rechtzeitige Anpassung der Prozesse sowie der Strukturen und die damit verbundene Kostenoptimierung haben für Randstad eine gute Ausgangslage im Hinblick auf 2004 geschaffen“, so die Randstad- Deutschland-Chefin.

Durch Sparen allein können die tarifbedingt teureren Vorleistungen aber nicht aufgefangen werden. Zumindest teilweise werden, so Marktkenner, die Zeitarbeitsfirmen die künftig höheren Personalkosten weitergeben müssen. Allerdings wird die Zeitarbeit insgesamt wohl nicht – wie befürchtet – mit gut zweistelligen Raten teurer. Manpower etwa rechnet mit einer Erhöhung im nächsten Jahr von durchschnittlich 5 bis 8 %. Der Bremer Wettbewerber Bindan, der mit einem Umsatz von 119,6 Mill Euro in 2002 (minus 10 %) ebenfalls zu den zehn größten Anbietern der Branche gehört, geht mit 5 bis 10 % Kostensteigerungen von einer ähnlichen Größenordnung aus. „Es hätte uns auch schlimmer treffen können“, heißt es bei Bindan mit Blick auf den Tarifvertrag.

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