Werbebranche
Die Sinnkrise der Kreativen

Die Werbezunft trifft sich in Berlin - und macht einen schlechten Eindruck. Der neue Chef ihres Spitzenclubs ADC hat jetzt eine Radikalkur verschrieben. Wie die kreativen Köpfe der Branche auf neue Herausforderungen reagieren wollen.

DÜSSELDORF. Die Krise hat nun auch die Kreativbranche erreicht. Die wirtschaftliche Krise sowieso - und auch die Sinnkrise. Seit Amir Kassaei, oberster Kreativchef der Werbeagentur DDB, den Vorsitz des renommierten Art Directors Club (ADC) im vergangenen Herbst übernommen hat, ist eine intensive Debatte über die Qualität der deutschen Kreativität im Gange.

Kassaei, bekannt für seine provokanten Thesen, hat die Debatte mit viel Feuer beheizt. Auch heute, einen Tag vor dem alljährlichen Kongress des ADC in Berlin, dem Jahrestreffen der Kreativbranche, hält er an seiner Meinung fest: "Wir werden nicht mehr ernst genommen", klagt der energische Kassaei. Oben in der Hierarchie vieler Unternehmen säßen die McKinseys dieser Welt, am Lieferanteneingang hingegen warteten die Werber. Soll heißen: Die Werberzunft rutscht allmählich in die Bedeutungslosigkeit. "Keiner stellt sich hin und sagt: Wir haben am Markt vorbeiproduziert", kritisiert Kassaei.

Doch was ist eigentlich das Problem? Einerseits gebe es zig renommierte Kreativwettbewerbe, vom ADC über Clio bis hin zu Cannes, bei denen die Agenturen erstaunliche Arbeiten einreichten, erläutert Kassaei. Andererseits besteche die tägliche Arbeit der deutschen Werber nicht unbedingt durch ihre Ausgefallenheit. Oder um es mit Kassaeis kraftvollen Worten zu sagen: "Wir bauen sehr geile Prototypen, aber schlechte Serienautos."

Kassaei, der ein leidenschaftlicher Schachspieler ist, weiß, dass er viele Dinge gleichzeitig anschieben muss, wenn er den Boden für eine neue deutsche Kreativität bereiten will. Zunächst einmal: "Wir müssen die Scheinheiligkeit des Award-Wahnsinns abschaffen." Ein schwieriges Anliegen, denn seit Jahren veröffentlichen die deutschen Tochterunternehmen der internationalen Werbenetzwerke wie WPP und Omnicom ihre Geschäftszahlen nicht mehr, so dass Werbekunden dazu übergegangen sind, die Platzierung der Agenturen in den diversen Kreativrankings als harte Währung in der Werbewelt anzusehen.

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