Werbebranche
Werber rechnen mit stabilem Umsatz

In Deutschlands Werbeagenturen überwiegt der Optimismus: Trotz Krise rechnet der Branchenverband GWA mit stabilen Umsätzen, gleichbleibenden Renditen und kaum Personalabbau. Firmen schichten ihre Werbeetats in Richtung Online und Direktmarketing um.

DÜSSELDORF. Das Timing hätte kaum schlechter sein können: Eine Woche, bevor der neue Präsident des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen (GWA) gestern vor die Presse trat, um die zuversichtliche Werbeprognose 2009 zu verkünden, wurde bekannt, dass durch seine eigene Agentur eine Entlassungswelle schwappt. 17 von 215 Mitarbeitern der Agentur Draftfcb haben die Kündigung erhalten. Peter John Mahrenholz in Erklärungsnot: „Das ist doch nur eine Momentaufnahme, sicherlich, einigen mussten wir kündigen, doch wir suchen für andere Positionen, etwa im Onlinebereich, auch neue Mitarbeiter.“

Dabei gibt sich der Branchenverband alle Mühe, Optimismus zu versprühen: Selbst im Krisenjahr 2009 rechnen die befragten Agenturchefs mit stabilen Umsätzen, mit gleichbleibenden Renditen und planen folglich kaum Personalabbau. „Die Krise hat die Werbebranche bis jetzt noch nicht mit voller Wucht erreicht“, resümiert Mahrenholz.

Im vergangenen Jahr stieg der Branchenumsatz um 5,5 Prozent – und lag damit über dem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Die Renditen der Agenturen erhöhten sich im gleichen Zeitraum um im Schnitt acht Prozent. Die Zahlen basieren auf der halbjährlichen Umfrage des Verbands, der nach eigenen Angaben rund 80 Prozent des relevanten Markts abdeckt.

Hinter den Durchschnittswerten verbergen sich allerdings sowohl Gewinner als auch Verlierer. Neben Draftfcb gibt es auch andere Agenturen, die Personal abbauen, darunter die BBDO-Tochter Interone, bei der dem Vernehmen nach Autohersteller BMW den Werbeetat reduziert haben soll, sowie Scholz & Friends Hamburg, die den Werbestopp der Marketinggesellschaft CMA verkraften muss. Laut GWA-Umfrage gaben aber nur 19 Prozent der Agenturchefs an, in diesem Jahr Mitarbeiter zu entlassen. Zum Vergleich: In der letzten Wirtschaftskrise 2002/03 hatten sich immerhin 70 Prozent der Agenturen von Personal getrennt.

Auf der Gewinnerseite steht hingegen zum Beispiel Grey Worldwide, Deutschlands zweitgrößte Agenturgruppe. „Unser Geschäft läuft gut, wir rechnen in 2009 mit einem Umsatz, der über dem Vorjahresniveau liegt“, sagt Grey-Chef Uli Veigel. Seine These: In Krisenzeiten würden Werbetreibende „sichere Häfen“ suchen, renommierte Agenturen favorisieren und sich „keine Spielereien“ erlauben. Grey hat eine Reihe neuer Kunden hinzugewonnen, darunter die Apothekenmarke Doc Morris, und konnte zudem bestehende Geschäfte ausbauen, etwa mit dem Kunden Karstadt, der vielen kleineren Agenturen kündigte, um seine Marketingaktivitäten bei Grey zu bündeln. „Es werden vor allem die kleineren Agenturen sein, die angesichts der Wirtschaftskrise existenzielle Probleme bekommen werden“, vermutet Grey-Chef Veigel daher.

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