Werbeflaute zwingt zu neuen Angeboten wie Buchverkäufen – Clement strebt Konsens für neues Pressefusionsgesetz an
Zeitungen bauen auf Zusatzgeschäfte

Unter dem Druck eines anhaltend schwierigen Werbemarktes setzen die deutschen Zeitungsverlage verstärkt auf neue Produkte. Kleinformatige Tageszeitungen (Tabloids) und Zusatzgeschäfte sowie Buch-, CD- oder DVD-Verkäufe sollen die Einnahmeausfälle im Anzeigen- und Vertriebsgeschäft auffangen.

HB hps MÜNCHEN. Auf den Münchner Medientagen waren sich führende Verlagshäuser wie Gruner + Jahr („Stern““), WAZ- Gruppe, Süddeutscher Verlag und die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Die Zeit“) einig, dass nur mit neuen Ideen und unternehmerischem Mut die seit über drei Jahren anhaltende Branchenkrise bewältigt werden kann. „Es gilt, das Vertrauen in die Marke Zeitung für Zusatzgeschäfte zu nutzen. Das ist noch viel Musik drin“, sagte Bernd Kundrun, Vorstandschef von Gruner + Jahr.

Kundrun verwies darauf, dass die führende spanische Tageszeitung „El País“ bereits 25 bis 30 Prozent des Umsatzes mit Geschäften außerhalb des klassischen Anzeigenmarktes erzielt. Der Geschäftsführer des Süddeutschen Verlages, Klaus Josef Lutz, berichtete gestern, über die Erfolge der „SZ-Bibliothek“. Allein im ersten Halbjahr seien 5,63 Mill. Bücher verkauft worden. Das Verlagshaus rechnet bis Ende des Jahres mit zehn bis zwölf Millionen Exemplaren. Von der neuen Klassik-CD-Kollektion seien in den ersten vier Tagen bereits 12 000 Stück über den Ladentisch gegangen.

Viele deutsche Zeitungshäuser zeigen sich derzeit offen für neue Geschäftsideen. „Warum sollten wir als Regionalzeitung nicht Tanzveranstaltungen anbieten?“ fragte Bodo Hombach, Geschäftsführer der Essener WAZ-Gruppe. Sowohl die Axel Springer AG („Bild“, „Welt“) als auch die Verlagsgruppe Holtzbrinck haben in den vergangenen Monaten Tabloid-Zeitungen gegründet, um neue Zielgruppen anzusprechen. Michael Grabner, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Holtzbrinck, sagte: „Es gibt noch Lücken im deutschen Zeitungsmarkt.“ Holtzbrinck startete nach „20 Cent“ (Cottbus) und „Boulevard Würzburg“ kürzlich die Frankfurter Tabloid-Zeitung „News“. Erst in der vorigen Woche wurde das 14-täglich erscheinende Veranstaltungsblatt „Potato“ im Saarland aus der Taufe gehoben.

Unterstützung für die Verlage kommt von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Der SPD-Politiker stellte gestern einen neuen Vorschlag für die Novellierung der Pressefusionskontrolle vor. Er sieht unter anderem vor, dass Fusionen im Unternehmenswert bis zu 50 Mill. Euro geschlossen werden können, ohne dass das Bundeskartellamt eingeschaltet werden muss. Auch die Kooperationen von Verlagen im Anzeigen-, Druck- und Vertriebsbereich sollen vereinfacht werden. Außerdem ermöglicht der Entwurf „in engen Grenzen auch dann Zusammenschlüsse von Zeitungsverlagen, wenn eine marktbeherrschende Stellung entsteht oder verstärkt wird“, sagte Clement. Bedingung sei, dass die Redaktionen der fusionierten Zeitungen eigenständig blieben.

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