Werbeholding kündigt Vorlage des ausstehenden Abschlusses an
Interpublic will Vertrauen zurückgewinnen

Drei Jahre nach ihrem Bilanzskandal kommt die weltweit drittgrößte Werbeholding Interpublic nicht zu Ruhe. Jetzt versuchte CEO Michael Roth in einer Telefonkonferenz das Vertrauen der Analysten wiederzugewinnen.

tel FRANKFURT/MAIN. Das ist seit Mitte März stark gesunken, als das Unternehmen angekündigt hatte, seinen Quartalsbericht wegen Schwächen in der internen Finanzberichterstattung nicht rechtzeitig vorlegen zu können und möglicherweise Bilanzkorrekturen vornehmen zu müssen. Wie schon 2002 geht es dabei vor allem um Fehlbuchungen im Zusammenhang mit Akquisitionen aus den Jahren 1996 bis 2001.

„Die Schwächen in der internen finanziellen Berichterstattung offenzulegen und die Kontrolle wiederherzustellen, hat für mich oberste Priorität“, sagte Roth gestern in der Telefonkonferenz. Wann der Jahresabschluss 2004 sowie die Zahlen für das erste Quartal 2005 vorgelegt werden, konnte Roth nicht konkretisieren. Wenn das Unternehmen aber die Abschlüsse inklusive des zweiten Quartals 2005 nicht bis Ende September dieses Jahres vorlegen kann, muss Interpublic mit seinen Geldgebern und Gläubigern neue Konditionen aushandeln. Die Holding, zu der unter anderem die Werbeagenturen McCann-Erickson und FCB gehören, ist zurzeit mit 2,15 Mrd. Dollar verschuldet. Im Zusammenhang mit der verzögerten Berichterstattung der Bilanz 2004 haben die Geldgeber auf die Zahlung von Vertragsstrafen verzichtet, erklärte Roth gestern.

Michael Roth, der 2002 zu Interpublic kam und die Holding seit Januar dieses Jahres als CEO führt, soll vor allem die Restrukturierung des Unternehmens vorantreiben. Jetzt muss er sich allerdings erst einmal mit den Problemen beschäftigen, die 2002 schon Vorvorgänger John Dooner Schwierigkeiten machten und letztlich zu dessen Ablösung führten. Damals musste Interpublic eingestehen, dass unter anderem falsche Buchungsmethoden bei der Agenturtochter McCann-Erickson entdeckt worden seien.

Jetzt hat Interpublic bei der Umsetzung der neuen Bestimmungen des Sarbanes-Oxleys-Acts erneut Fehlbuchungen festgestellt, und die liegen – wie Roth gestern in der Telefonkonferenz sagte – auch um 35 Mill. Dollar über der bereits Mitte März bekannt gegebenen Summe von 145 Mill. Dollar.

Um den Analysten gestern aber auch positive Nachrichten bieten zu können, bekräftigte Roth sein Ziel, den Turnaround von Interpublic Mitte 2006 erreichen zu wollen. Nach den vorläufigen Zahlen, die sich allerdings noch ändern können, wie Roth ausdrücklich sagte, ist Interpublic im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent auf 6,2 Mrd. Doller gewachsen. Zum ersten Mal seit 2000 habe Interpublic damit ein volles Jahr mit Wachstum aus eigener Kraft abgeschlossen, sagte Roth. Wechselkurseffekte herausgerechnet sei Interpublic um 1,9 Prozent gewachsen. Das organische Wachstum – also ohne Wechselkurseffekte und Zukäufe – liegt bei 1,1 Prozent.

Damit entwickelt sich Interpublic zwar deutlich langsamer als die Branchenführer Omnicom und WPP, die um 6,7 beziehungsweise 4,0 Prozent organisch zugelegt haben. Die Börse allerdings honorierte gestern den leichten Aufwärtstrend im operativen Geschäft bei Interpublic: An der New Yorker Börse legte die Aktie nach Eröffnung um über vier Prozent auf 12,77 Dollar zu.

„Das Geschäft bei Interpublic erholt sich langsam“, sagte Dan Popowics von Third Asset Management in Cincinnati der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das Klima für Werbung ist gut und Interpublic dürfte daran teilhaben“, sagte Popowics. Die belastende Bilanzthematik hat seiner Ansicht nach vor allem mit Ereignissen in der Vergangenheit zu tun.

In den Jahren 1998 bis 2002 hatte Interpublic über 270 Firmen übernommen, darunter auch True North Communication und die US-Werbeagentur Deutsch.

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