Werften bis 2010 ausgelastet
Kreuzfahrtgeschäft wächst kräftig

Der weltweite Markt für Kreuzfahrten wächst kräftig. Doch die Werften sind mit Neubauten bis zum Jahr 2010 ausgelastet – eine Ausweitung der Kapazitäten ist für die Redereien problematisch. Besonders davon betroffen ist der Touristikkonzern Tui.

HAMBURG. „Die Zuwachsraten bewegen sich jährlich zwischen acht und zehn Prozent“, sagt Bernhard Meyer, Chef der Meyer-Werft in Papenburg. Das Unternehmen ist in Deutschland mit 2 300 Mitarbeitern Marktführer beim Bau von Luxuslinern.

Doch die Kreuzfahrt-Reedereien hätten Probleme, ihre Kapazitäten auszuweiten. Die Werften seien voll ausgelastet. „Neue Schiffe können vor Ende 2010 nicht ausgeliefert werden“, sagt der Werftenchef. Weltweit stünden Aufträge für 29 Schiffe mit mehr als 85 000 Betten in den Büchern der Reedereien. Die Aufträge repräsentieren einen Wert von rund 14 Mrd. Euro.

Zudem sei der internationale Chartermarkt für Luxusliner leergefegt. „Es ist schwierig, große Kreuzfahrtschiffe zu bekommen, die über mehr als 2 000 Kabinen verfügen“, sagt Meyer. Damit dürfte es für den Touristikkonzern Tui schwierig werden, stärker im Kreuzfahrtgeschäft Fuß zu fassen. Vorstandschef Michael Frenzel hatte Ende 2005 angekündigt, er erwäge den Einstieg in den Massenmarkt mit neuen Schiffen unter dem Namen „Tui Cruises“. Doch eine Entscheidung steht noch aus. Sie solle bis Jahresende fallen, erklärte ein Tui-Sprecher auf Anfrage.

Bislang führt der Konzern in der Kreuzfahrtssparte eher ein Schattendasein. Die Tui-Tochter Hapag-Lloyd hat 2005 bei einem Umsatzanstieg von rund 16 Prozent auf 148 Mill. Euro einen Vorsteuergewinn von vier Mill. Euro erwirtschaftet. Das Unternehmen verfügt über vier Kreuzfahrtschiffe, von denen sich die „Hanseatic“ und die „Bremen“ im eigenen Bestand befinden.

Tui-Konkurrent Aida Cruises geht hingegen in die Offensive. Der zum amerikanischen Carnival-Konzern gehörende Kreuzfahrtanbieter hat bei der Meyer-Werft vier Kreuzfahrtschiffe bestellt, die bis 2010 ausgeliefert werden sollen. „Wir verdoppeln damit unsere Kapazitäten“, sagt Michael Thamm, Präsident von Aida Cruises. Die Schiffe sollen unter anderem durch Tui-Reisebüros vermarktet werden. „Wir führen Gespräche mit den Tui-Reisebüros“, bestätigt Thamm. Er weist aber Gerüchte zurück, dass Tui mit Aida über eine engere Kooperation verhandele.

Auch Analysten sind skeptisch, ob Tui die Kreuzfahrtsparte ausbaut. „Angesichts anderer dringlicher Probleme dürfte bei Tui der Ausbau des Kreuzfahrtgeschäfts nicht im Fokus stehen“, sagt Eggert Kuls, Analyst bei der Privatbank M.M. Warburg. Das Unternehmen kämpft mit einem scharfen Preiswettbewerb sowie steigenden Bunkerkosten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%