Wertberichtigungen
TNT-Express verzeichnet Millionenverlust

Der Paketdienst TNT Express hat im vergangenen Quartal einen operativen Verlust in Millionenhöhe eingefahren. Damit steigen die Chancen für den US-Logistikkonzern UPS im Übernahmepoker.
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AmsterdamEin Quartalsverlust macht den Paketdienst TNT Express zur leichteren Beute für UPS. Wenige Tage nach einem Milliardenangebot aus den USA legten die Niederländer am Dienstag rote Zahlen im Weihnachtsgeschäft vor. Damit dürfte sich der Übernahmepoker kaum zu ihren Gunsten entwickeln. Trotz düsterer Konjunkturprognosen für Europa will sich der Konzern nun wieder voll auf seinen Heimatmarkt konzentrieren und somit auf das Geschäftsfeld, auf das es der US-Konkurrent abgesehen hat. Das UPS-Gebot über 4,9 Milliarden Euro hat TNT Express am Freitag abgewiesen, verhandelt aber weiter. Experten erwarten, dass auch Konkurrent FedEx in den Poker einsteigt.

Ob sich mittlerweile weitere Interessenten gemeldet haben, wollte Konzernchefin Marie-Christine Lombard am Dienstag nicht kommentieren. Die enttäuschenden Quartalszahlen schränkten den Spielraum für TNT ein, den Kaufpreis nach oben zu treiben, sagten Experten. „Wir erwarten nicht, dass das UPS-Angebot erheblich steigen wird“, sagte etwa Citi-Analyst Roger Elliott. Für TNT werde es ohnehin schwer, langfristig den Wert zu halten, der dem UPS-Gebot zugrunde liege, betonte er mit Hinweis auf die schwachen Geschäften in Brasilien und China. „Der einzige Grund für den Kauf von TNT ist das Europa-Geschäft“, sagte auch Analyst Gert Steens von SNS Securities. Der Konzern habe viel zu lange und viel zu viel Geld in anderen Ländern investiert.

Die anhaltenden Probleme in Brasilien ließen den Deutsche-Post-Rivalen im Schlussquartal operativ in die Verlustzone rutschen. Lombard zieht nun die Notbremse und stellt sowohl das Geschäft in Brasilien als auch in China zum Verkauf. In der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas macht den Niederländern vor allem die Integration zweier übernommener Gesellschaften zu schaffen.

Die Papiere von TNT Express gaben um rund 2,5 Prozent auf 9,9 Euro nach. Damit lag der Kurs immer noch über den von UPS gebotenen neun Euro pro Aktie, aber deutlich unter den Spitzenwerten von 10,24 Euro vom Vortag. TNT fuhr zum Jahresende 2011 bei einem Umsatz von 1,87 Milliarden Euro einen operativen Verlust von 104 Millionen Euro ein, nach einem Gewinn von 24 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das erst im vergangenen Jahr aus der Aufspaltung des TNT-Konzerns in einen Post und Expressbereich hervorgegangene Unternehmen erzielte ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 57 Millionen Euro und enttäuschte auch damit. TNT will nun stärker an der Kostenschraube drehen, etwa durch eine engere Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften.

Im Gegensatz zu TNT hat US-Logistikkonzern UPS im vierten Quartal die Gewinnerwartungen leicht übertroffen. Auch die Deutsche Post, die erst Mitte März die Bilanz vorlegt, hat bereits mitgeteilt, dass sie im Gesamtjahr das Ziel eines operativen Überschusses von mehr als 2,4 Milliarden Euro erreicht hat. Die Deutsche-Post-Tochter DHL und TNT Express haben in Europa die größten Marktanteile.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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