Wertheim-Erben
Historiker Wolffsohn kritisiert Karstadt-Quelle

Mit harten Worten hat der Münchner Historiker Michael Wolffsohn den Karstadt-Quelle-Konzern im Konflikt um die Entschädigung der Wertheim-Erben kritisiert. Wolffsohn stellte an den Essener Konzern die Frage, ob auf eine „biologische Lösung, also auf das Ableben der nicht mehr jungen Wertheim-Erben“ gesetzt werde.

HB BERLIN. Wolffsohn sagte am Samstag, das Unternehmen arbeite mit Vermögenswerten, die in der NS-Zeit geraubt wurden. Die jüdische Kaufmannsfamilie Wertheim mit dem Hauptsitz in Berlin war von den Nazis enteignet worden. Der Streit um Entschädigungsforderungen oder Rückübertragung von Grundstücken in Berlin-Mitte entstand, nachdem Karstadt-Quelle nach der Wende unter anderem Eigentümer des so genannten Lenné-Dreiecks am Potsdamer Platz wurde.

Für dieses Gelände fordert die Jewish Claims Conference als Vertretung der Wertheim-Erben von Karstadt-Quelle nun 145 Millionen Euro zurück. Dies lehnt der Kaufhaus-Konzern ab und will weiter den Rechtsweg beschreiten. Wolffsohn bezog sich in seiner Kritik auf letztinstanzliche Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts, wonach die Ansprüche auf Wiedergutmachung berechtigt durch die Jewish Claims Conference gestellt werden und sich ausdrücklich auch auf das Lenné-Dreieck beziehen.

Wolffsohn warf Karstadt-Quelle vor, der Konzern widersetze sich mit seiner Haltung „geschichtlichen Tatsachen, rechtlichen Entscheidungen und auch den ethischen Grundlagen unseres bundesdeutschen Gemeinwesens“. Ursprünglich war das umstrittene Gelände im Zuge eines Gebietstausches mit der DDR 1988 an den Berliner Senat gefallen. Der Senat gab es für 1 Mark an den Hertie-Konzern weiter. So kam es nach der Übernahme von Hertie an den Karstadt-Quelle-Konzern. Dieser verkaufte das Gelände für 145 Millionen Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim. Er ließ auf dem Lenné-Dreieck das Beisheim-Center, unter anderem mit den Luxus-Hotels Ritz-Carlton und Marriott, errichten.

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