Wertheim-Streit
Karstadt-Quelle zieht Klagen zurück

Im Streit mit den Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim hat der Karstadt-Quelle-Konzern drei Klagen zurückgezogen. Dabei dreht es sich um Grundstücke im Zentrum von Berlin, sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe am Donnerstag in Essen.

HB ESSEN/BERLIN. Ein Vermögensschaden entstehe dem Unternehmen dadurch jedoch nicht, denn die betroffenen Grundstücke Leipziger Platz, Rosenthaler Straße und Schiffbauer Damm seien nicht im Besitz des Unternehmens. „Unsere Ansprüche sind lediglich nicht anerkannt worden“, so Howe.

Karstadt-Quelle hatte zuvor in mehreren Fällen mit Klagen gegen Rückübertragungsbescheide des Landesamts zur Regelung Offener Vermögensfragen (Larov) versucht, als möglicher Wertheim-Nachfolger selbst Ansprüche auf Grundstücke des jüdischen Kaufhausunternehmens zu erheben. Nach dem Rückzug von Karstadt-Quelle werden die Bescheide nun rechtskräftig und die Grundstücke gehen damit an die Wertheim Erben und ihre Vertreter, sagte der Frankfurter Anwalt der Jewish Claims Conference Stefan Minden.

Hintergrund der von Karstadt-Quelle angemeldeten Ansprüche ist eine zuvor erfolgte Übernahme des Wertheim-Nachfolgeunternehmens Hertie durch den Essener Konzern. Dem stehen jedoch die Ansprüche der Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie gegenüber, die von den Nazis zum Rückzug aus ihrem Geschäft gezwungen worden waren. In dem seit Jahren vor deutschen und amerikanischen Gerichten ausgetragenen Streit zwischen den Wertheim-Erben und Karstadt-Quelle geht es um mindestens sieben Grundstücke im Herzen Berlins im Wert von bis zu 500 Mill. Euro.

Hintergrund des nun erfolgten Klagerückzugs ist eine Entscheidung des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts, das Ende Oktober eine Beschwerde des Warenhauskonzerns in einem ähnlich gelagerten Rechtsstreit um ein Grundstück endgültig verworfen hatte.

Unter den umstrittenen Grundstücken nimmt das so genannte Lenné- Dreieck eine Sonderstellung ein, da das Grundstück dem Karstadt-Quelle-Konzern im Gegensatz zu den anderen Grundstücken bereits vom Land Berlin übereignet worden war. Das Grundstück war später an Metro-Gründer Otto Beisheim verkauft worden. In diesem Fall hat Karstadt-Quelle bereits angekündigt, auf seiner Position beharren zu wollen und alle Rechtsmittel auszuschöpfen. Nach Auffassung von Karstadt-Quelle liegt beim Lenné-Dreieck eine „gänzlich andere Rechtslage“ vor.

Die Jewish Claims Conference forderte Karstadt-Quelle unterdessen zu einem Ende des Rechtsstreits auf. Den nun erfolgten Rückzug von Karstadt-Quelle nannte der jüdische Dachverband einen späten Sieg für die Gerechtigkeit. Jetzt müsse der Essener Konzern auch in den verbleibenden Fällen Verantwortung übernehmen. „Es ist an der Zeit, dieses Kapitel abzuschließen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%