WestLB will angeblich Anteil verkaufen
Droht Tui nun der Herz-Schlag?

Der weltgrößte Reisekonzern Tui mit Vorstandschef Michael Frenzel kommt einfach nicht zur Ruhe. Gleich mehrere Dinge machen dem Manager des Jahres 2000 Sorge.

HB HANNOVER. Das Geschäft mit der Reise läuft im zweiten Jahr in Folge noch immer zäh, auf dem Reisemarkt geht vieles in Richtung billig, und der größte Eigner WestLB will sich von seinem 31-prozentigen Aktienpaket trennen - mit unklaren Folgen für Frenzels Konzernstruktur.

Die Ankündigung der Düsseldorfer Bank, sich mittelfristig von den gut 55 Mill. Aktien zu trennen, lassen auf dem Börsenparkett Gerüchte rund um das Dax-Papier sprießen. Der Teil der Herz-Familie, der sich gerade bei dem Hamburger Kaffee-Röster Tchibo hat auszahlen lassen, hätte theoretisch Geld genug, den von der WestLB geforderten Preis zu zahlen. Zwar berichtete die „Welt am Sonntag“ aus Kreisen der Familie, die Gerüchte entbehrten jeder Grundlage. Parallel hieß es aber im „Spiegel“, die Tui habe die Bank Goldman Sachs beauftragt, einen drohenden Herz-Schlag abzuwehren. Bei der Tui heißt es, von möglichen Gesprächen zwischen der WestLB und Herz wisse man nichts und mit Goldman Sachs arbeite man seit langer Zeit zusammen.

Trotzdem: Die Tui - derzeit gebeutelt von Umsatzeinbußen und roten Zahlen im Kerngeschäft - steht vor einer ungewissen Zukunft. Wer auch immer von der WestLB die 31 Prozent kauft; er wird sich die Struktur der Tui mit Reisebüros, Reiseveranstaltern, Ferienfliegern und Billig-Airline und Hotelbeteiligungen überall in Europa genau anschauen. Denn Analysten bemängeln seit längerem, Frenzel bislang der Beweis nicht gelungen, dass sein Modell des integrierten Reisekonzerns tatsächlich ausreichend Rendite abwerfen kann.

Neue Besetzung des Aufsichtsrats

Hinzu kommt, dass sich wohl auch die Besetzung des Aufsichtsrats ändern würde. Bislang hält Ex-WestLB-Chef Friedel Neuber als Vorsitzender des Gremiums die Hand über seinen ehemaligen engen Mitarbeiter Frenzel und begleitete ihn bei dem Konzernumbau von der Preussag zu Tui. Welchen Einfluss der 68-jährige Neuber unter neuer Eigentümer-Struktur haben wird, ist derzeit aber völlig offen.

Sicher wird all das den Aufsichtsrat bei seiner Sitzung Anfang nächster Woche beschäftigen. Zwei Tage hat sich das 20 Mitglieder starke Gremium auf der Ferieninsel Mallorca Zeit für das Treffen genommen. Beobachter meinen, es sei „kaum vorstellbar, dass es dort nur um das Abarbeiten einer Routine-Tagesordnung geht“.

Ein weiterer Hinweis, dass es auch ums Eingemachte der TUI- Strategie gehen wird, ist eine anschließende Konferenz mit Bank- Analysten, zu der Frenzel geladen hat. Unmittelbar an dieses Treffen will er sich dann noch im „Hotel Valparaiso“ mit handverlesenen Journalisten weniger großer Tageszeitungen und Fachmagazine zusammensetzen. Dabei will er, wie es in der Einladung heißt, „über die neuesten Entwicklungen des Tui-Konzerns informieren und ausgiebig mit Ihnen diskutieren“.

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