Wettanbieter verzeichnet kräftig steigende Umsätze in Deutschland
Betandwin profitiert vom Schiedsrichterskandal

Die Bestechungsaffäre um den Fußball-Schiedsrichter Robert Hoyzer sorgt für kräftig steigende Wettumsätze in Deutschland. „Seit über den Skandal berichtet wird, sind unsere Zahlen sprunghaft gestiegen“, sagte Marcus Meyer, Marketingchef des Sportwetten-Anbieters Betandwin.de dem Handelsblatt. Der Manager rechnet damit, dass die Wettbegeisterung im kommenden Jahr wegen der Fußball-Weltmeisterschaft weiter zunehmen wird.

MÜNCHEN. „Der Fall Hoyzer war im Frühjahr jeden Tag ein großes Thema im TV. Dabei wurden Sportwetten ausführlich erklärt. Jetzt haben die Leute Lust, das selbst auszuprobieren“, begründet Meyer die plötzliche Wettbegeisterung der Deutschen. Betandwin.de ist eines von nur vier privaten Unternehmen hier zu Lande, die Sportwetten anbieten dürfen. Die Lizenzen dazu stammen noch aus der DDR. Größter Anbieter ist die staatliche Oddset.

Betandwin.de gehört zur Hälfte der börsennotierten Wiener Betandwin.com AG. Dass die Österreicher hier zu Lande überhaupt Wetten veranstalten dürfen, verdanken sie dem Kaufmann Steffen Pfennigwerth, der die DDR-Lizenz ergatterte und heute die andere Hälfte an Betandwin.de hält.

Die Mutter Betandwin.com konsolidiert das deutsche Geschäft voll in der eigenen Bilanz. Wie hoch die Umsätze in Deutschland sind, sagt das Unternehmen nicht. Nur so viel: Das Wachstum sei genauso rasant wie im gesamten Unternehmen. Dabei stiegen die Umsätze der Österreicher im zweiten Quartal von 183 Mill. Euro vergangenes Jahr auf jetzt 556 Mill. Euro. Neben Sportwetten bietet Betandwin.com auch Glücksspiele übers Internet und Handys an.

Das Geschäft mit Sportwetten gilt als riesiger Wachstumsmarkt. Vor kurzem startete deshalb der Münchener Bezahlkanal Premiere einen eigenen Wettsender. Bis 2008 will PremiereChef Georg Kofler jedes Jahr Wettumsätze von einer Milliarde Euro vermitteln und dabei fünf bis zehn Prozent an Provision kassieren. „Ich bin sicher, dass wir hier ein vielversprechendes Geschäftsfeld vor uns haben“, unterstrich Kofler jüngst. Auch der Konkurrent Deutsches Sportfernsehen plant ein eigenes Wettangebot.

Allerdings stehen die privaten Wettanbieter rechtlich noch auf wackeligen Beinen, weil Oddset das Monopol für sich beansprucht. Am 8. November gibt es vor dem Bundesverfassungsgericht eine Anhörung zur Zulassung privater Anbieter in Deutschland. Alles andere als eine Liberalisierung des Marktes wäre eine Überraschung. Mit einem Urteil ist 2006 zu rechnen.

Betandwin.de ist trotzdem jetzt schon kräftig in der Werbung aktiv. Derzeit stattet die Firma 11 000 Amateur-Fußballmannschaften kostenlos mit Trikots aus. Die Leibchen tragen das Logo von Betandwin.de auf der Brust. Das sorgte für Wirbel unter den Fußballverbänden. Denn die Funktionäre müssen die Shirts freigeben, bevor die Vereine spielen dürfen. Dem Vernehmen nach haben die Innen- und Finanzministerien der Länder kräftig Druck ausgeübt, um die Erlaubnis zu verhindern. Letztlich mit wenig Erfolg, denn die meisten Vereine werden wohl mit den geschenkten Trikots in die neue Saison starten. Wegen der ihnen zufließenden Einnahmen von Oddset haben die Länder ein Interesse, das Monopol zu verteidigen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%