Wettbewerb auf dem Transportmarkt gefährdet große Teile des Geschäfts der Tochter der Deutschen Bahn
Güterbahn Railion rollt in schwere Schieflage

Der wachsende Wettbewerb im Schienengüterverkehr und der dramatische Preisverfall im Transportmarkt gefährden den Sanierungskurs der Güterbahn Railion AG. Die Tochter der Deutschen Bahn rollt nach einem bereits vor der Bekanntgabe der Bilanz am 25. Mai angekündigten zweistelligen Millionenverlust für 2004 immer tiefer in rote Zahlen.

DÜSSELDORF. Nach Handelsblatt-Informationen aus verschiedenen Quellen in Arbeitnehmer- und Gewerkschaftskreisen erzielt Railion nach einem dramatisch schlechten Geschäftsverlauf in den vergangenen Monaten lediglich noch in einem Drittel ihres Geschäfts schwarze Zahlen. Eine mittelfristige Gewinnplanung musste um 200 Mill. Euro nach unten korrigiert werden, hieß es. Mit über 3 Mrd. Euro Umsatz ist die Güterbahn nach dem Regionalverkehr die zweitstärkste Sparte im Schienengeschäft des Bahnkonzerns.

Ein Bahn-Sprecher wollte sich zu den Zahlen nicht äußern. Er verwies lediglich auf die bisherigen Planungen, Railion im nächsten Jahr in schwarze Zahlen zurückzuführen. Bei der Vorstellung des bahninternen Wettbewerbsberichtes hatte allerdings der Europa-Bevollmächtigte des Konzerns, Joachim Fried, bereits auf die prekäre Lage der Güterbahn hingewiesen.

Railion verliere stark Marktanteile im lukrativen Segment der „Ganzzüge“, die ohne Rangiermanöver meist auf internationalen Langstrecken fahren. Deshalb müsse die Bahn den stark aufwendigen und defizitären Einzelwagenverkehr „neu betrachten“, sagte Fried. Es werde in Zukunft „immer weniger möglich“ sein, das Einzelwagengeschäft über Quersubventionen aus dem Ganzzugmarkt zu finanzieren. Das bedeute letztlich den Abschied vom Transport individuell beförderter Güterwagen. Dieser macht 50 Prozent des Umsatzes bei Railion aus. Fried: „Das ist ein Prozess, der diametral gegen die politische Forderung nach mehr Verkehr auf die Schiene läuft.“

Ein Rückzug aus dem Einzelwagen-Geschäft sei „verkehrspolitisch falsch“, betonte der Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, gegenüber dem Handelsblatt. Die Politik versäume es immer mehr, die Rahmenbedingungen für mehr Verkehr auf die Schiene zu schaffen, sagte Hommel. Dazu gehöre prinzipiell eine spürbare Erhöhung der Lkw-Maut. Speziell zum Erhalt des Einzelwagenverkehrs müsse der Bund endlich Mittel für die dringende Modernisierung der Rangierbahnhöfe zur Verfügung stellen. Der GDBA-Chef: „Wir brauchen den vernünftigen Mix von Ganzzügen zwischen den Zentren und der Bedienung der Fläche durch Einzelwagen.“

Auch die europäische Expansionsstrategie von Railion steht mangels Finanzkraft offenbar zur Disposition. Nachdem die frühere DB Cargo als Railion die Güterbahnen der Niederlande und Dänemarks übernommen hatte, gab es keine weitere Großakquisitionen. In Branchenkreisen heißt es, mit den beiden Töchtern habe sich Railion die eigenen Probleme mit der Bahnreform noch zweimal ins Haus geholt.

Ein Sprecher wollte einen Strategiewechsel nicht bestätigen und verwies auf die Bewerbung von Railion um die Übernahme der slowakischen Güterbahn. Bei der Expansion gebe es „ein volles Spektrum an Optionen“. So firmiert ein im Vorjahr erworbenes mittelständisches Bahnunternehmen in Oberitalien seit Ende April als Railion Italia. Mit sieben geleasten Loks soll es überwiegend Anschlussverkehre im wichtigen Alpentransit übernehmen, vorerst 50 Züge pro Woche.

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