Wettbewerb auf Schienen
Deutsche und französische Bahn streiten sich

Die deutsche und französische Bahn streiten sich über die Vormacht auf der Schiene. Während sich die Konkurrenten beharken, kritisiert die EU-Kommission den mangelnden Wettbewerb in beiden Ländern.
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München/BerlinZwischen den beiden größten Bahnen Europas ist offener Streit über den Wettbewerb auf Schienen ausgebrochen. Die Deutsche Bahn wies den Blockade-Vorwurf vom Chef der französischen Staatsbahn SNCF, Guillaume Pepy, scharf zurück. „Alle Fakten sprechen eine völlig andere Sprache“, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag in Berlin. „Während der deutsche Eisenbahnmarkt in allen Bereichen geöffnet ist, ist der französische Schienenmarkt mit Ausnahme des Güterverkehrs komplett abgeschottet.“ Pepy hatte zuvor vor allem die Bündelung von Schienennetz und Bahnbetrieb unter dem DB-Dach kritisiert. „Die Deutsche Bahn macht ihre Regeln selbst. Sie steuert den Wettbewerb selbst“, klagte er. Im Fernverkehr sei es daher sinnlos, gegen die Deutsche Bahn anzutreten.

Den Deutschen stehe mit der anstehenden Liberalisierung des französischen Schienenverkehrs und der bereits erfolgten Entkopplung von Betreibern und Netzbesitzern das Nachbarland demnächst offen, sagte Pepy am Mittwochabend vor dem Club der Wirtschaftspresse in München. Die Deutsche Bahn wiederum betonte, im Nahverkehr hätten die DB-Konkurrenten in Deutschland bereits einen Anteil von 21 Prozent, im Güterverkehr sogar von 25 Prozent. Die Tendenz sei steigend.

Die EU-Kommission kritisiert Deutschland - aber auch Frankreich - seit längerem wegen mangelnden Wettbewerbs auf der Schiene und hat Vertragsverletzungsverfahren gegen diese und weitere Staaten eingeleitet. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lehnt Änderungen in der Bahn-Struktur trotz Drängens von Verkehrspolitikern der Koalition ab und will die Entscheidung der Gerichte abwarten.

Pepy argumentierte, die Kopplung von Netz und Betrieb halte die SNCF vom deutschen Markt wohl noch länger fern. „Wir planen auf den Fernstrecken keinen Eintritt in Deutschland“, sagte er. „Es macht für uns keinen Sinn, auf dem deutschen Markt aktiver zu werden“, fügte er hinzu. Bei der Streckenvergabe wäre sein Unternehmen gegenüber der DB stets im Nachteil. Zudem hielten die deutschen Bahnpassagiere trotz aller Kritik im Zweifel dem deutschen Staatskonzern die Treue.

Die SNCF unterhält in Deutschland allerdings eine Frachtflotte, die auf einen Marktanteil von sechs bis sieben Prozent komme. Die Regionalbahntochter Keolis habe mit ihren Verbindungen in Nordrhein-Westfalen einen Marktanteil von 0,5 Prozent. Eine Ausgliederung des Schienennetzes sieht Pepy angesichts des harten Widerstands von Bahnchef Rüdiger Grube nicht kommen. Grube und die Politiker seien „sehr verhaftet mit dem einheitlichen System.“

Anders als für die SNCF-Tochter Eurostar, die für den Ärmelkanaltunnel Siemens-Züge bestellt hat, will Pepy für den Mutterkonzern nicht bei den Münchnern Schnellzüge einkaufen. „Wir verfolgen einen Massentransit-Ansatz und bestellen seit zehn Jahren nur noch Doppeldecker-Züge. Und soweit ich weiß, hat Siemens solche Modelle nicht im Angebot.“ Der Streit des SNCF-Hauslieferanten Alstom mit Eurostar wegen der Bestellung bei Siemens lässt Pepy eher kalt. „Eurostar hat den Auftrag entsprechend der geltenden Gesetzgebung ausgeschrieben und den Vertrag mit Siemens unterschrieben“, sagte er. „Bis Ende des Jahres wird der britische Royal High Court entscheiden, ob das alles in Ordnung ist. Ich habe aber absolut keine Ahnung, wie das ausgehen wird.“ Entscheidend seien allerdings die Sicherheitsfragen. Es müsse noch abschließend geklärt werden, ob die Siemens-Züge für den Tunnel zugelassen werden können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wettbewerb auf Schienen: Deutsche und französische Bahn streiten sich"

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  • Pepy bleib hart.

    Protektionismus?
    TGV ist auf alle wichtige Strecken F gefahren wo der ICE noch nichtmal auf dem Papier war , der TGV ist der DB angeboten worden, ausser Nase rümpfen nichts passiert, jetzt jammert die DB und Siemens über Protektionnismus.
    Ich sage, an die eigene Nase fassen.

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