Wettbewerb der Prüfkonzerne
Dekra spielt mit den Muskeln

Dekra und TÜV Nord gehen auf Einkaufstour, um sich für den Wettbewerb mit dem künftigen Branchenriesen TÜV Süd/TÜV Rheinland zu wappnen. Insgeheim spekulieren beide auf Auflagen vom Kartellamt, die das neue Unternehmen zwingen dürften, Teilbereiche abzugeben. Diese Hoffnung hat jetzt neue Nahrung bekommen.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Genährt wird die Hoffnung von der Tatsache, dass das Kartellamt jetzt wegen der „Komplexität des Verfahrens und wegen der Vielzahl der zu prüfenden Märkte“ die Frist der Prüfung des Fusionsvorhabens um vier Wochen bis Ende Juni verlängert hat.

„Es handelt sich gerade im Industriegeschäft um zwei Ex-Monopolisten. Wir glauben, dass das nicht unkritisch ist“, sagt Dekra-Chef Klaus Schmidt bei der Vorstellung der Bilanz. Aber das sei allein Sache des Kartellamtes. Dass sehr genau geprüft würde, zeige die verlängerte Frist. Branchenexperten verweisen darauf, dass das letzte Prüfmonopol für das Industriegeschäft erst Anfang Januar aufgehoben wurde. Bei möglichen Verkäufen von Unternehmensteilen im Zuge der Fusion signalisierte der TÜV-Nord-Chef Guido Rettig Interesse. Er kennt sich mit dem Kartellamt gut aus. Im August wurde in letzter Minute die geplante Fusion von TÜV Süd und TÜV Nord abgesagt. Es wäre also nicht die erste Fusion, die an zu hohen Auflagen auch noch scheitern könnte.

Geht es nach den beiden Fusionswilligen, dann soll die TÜV-Hochzeit „bis Ende des Jahres in trockenen Tüchern“ sein, sagte ein Sprecher des TÜV Rheinland. Das neue Unternehmen würde weltweit etwa 25 000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von über 2,2 Mrd. Euro erwirtschaften.

Die Dekra will diese Herausforderungen annehmen, aber davon unabhängig das eigene Unternehmen mit einer Strategie der kleinen Schritte kontinuierlich aufbauen. Die Dekra hat in diesem Jahr bereits mehrere kleinere Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von insgesamt 50 Mill. Euro und mit insgesamt 500 Beschäftigten zugekauft und dafür rund 50 Mill. Euro ausgegeben. „Wir wollen immer zwei Drittel organisch und ein Drittel durch Zukäufe wachsen“, betont der Dekra-Chef. In diesem Jahr sollen noch weitere Unternehmen mit rund 30 Mill. Euro zugekauft werden. „Diese kleineren Zukäufe sollen zur Normalität in diesem Unternehmen werden. Wir finanzieren das aus dem Cash-flow“, betonte Schmidt. Die Dekra verfügt darüber hinaus über eine Kriegskasse von 250 Mill. Euro, die aber nur bei einer größeren Akquise gebraucht würde.

Seite 1:

Dekra spielt mit den Muskeln

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%