Wettbewerb nimmt ruinöse Züge an
Deutsche Messebranche streitet um Subventionen

Zwar ist Deutschland der größte Messeplatz der Welt, doch der Wettbewerb der Messegesellschaften nimmt ruinöse Züge an. Mit neuen und immer größeren Hallen drängen die öffentlichen Betriebe in den Markt und jagen sich gegenseitig die Veranstaltungen ab. Wachsen können Messeplätze nur noch, wenn andere schrumpfen – oft zu Lasten des Steuerzahlers.

DÜSSELDORF. „Von 70 Messestädten arbeiten nur vier profitabel: Frankfurt, Nürnberg, Essen und Düsseldorf“, sagte Werner Dornscheidt, Chef der Messe Düsseldorf, dem Handelsblatt. Alle anderen würden mehr oder weniger von der öffentlichen Hand subventioniert. „Meiner Meinung nach haben nur die Messegesellschaften eine Existenzberechtigung, die sich auf Dauer selbst und damit ohne öffentliche Zuschüsse tragen“, meinte Dornscheidt. Abwerbung über Preisdumping zur Auslastung der Hallenkapazitäten löse das Problem nicht. Denn damit würden nur Löcher an anderen Plätzen aufgerissen. Auf Dauer werde es daher zu einer Reduzierung der Ausstellungsflächen kommen müssen.

Flächendeckende Subventionierung bestätigt Werner Delfmann, Leiter des Kölner Instituts für Messewirtschaft. Der Wettbewerb sei extrem hart. Neue Veranstaltungen gebe es kaum. Der Kuchen sei verteilt, meinte auch ein Messe-Experte von Roland Berger. Als Rechtfertigung der Subventionen dient Städten und Ländern als Eigentümer der Messebetriebe die Umwegrentabilität, also das Geld, das Aussteller und Besucher der Messen in der Stadt lassen. Das ist in der Regel ein Vielfaches des in die Messen gesteckten Geldes. Doch gilt die Berechnung als sehr umstritten.

Allein die Köln Messe rechnet bis 2011 wegen hoher Mietzahlungen für den Neubau der Messehallen mit einem Verlust von 40 Mill. Euro. Er soll durch Rücklagen aus Immobiliengeschäften kompensiert werden. Sollte es danach zu weiteren Verlusten kommen, springt die Stadt Köln ein. Dies sieht der Finanzierungsplan für die neuen Hallen vor. Köln muss die neuen Hallen füllen: Die Motorradmesse Intermot wurde bereits von München an den Rhein geholt. Ein Auge soll Köln auch auf Investitionsgütermessen wie die Düsseldorfer Metav geworfen haben. Als Extremfall gilt Leipzig: Ohne öffentliche Zuschüsse läuft unter dem Motto „Aufbau Ost“ wenig. Immerhin legt Leipzig die Hilfen – 2006 rund 6,3 Mill. Euro – offen, was andere nicht immer tun, seien es Baubeihilfen, Beiträge zum Kongressgeschäft oder auch Darlehen zum „Nulltarif“.

Die Abwerbung einer großen Messeveranstaltung sei in der Regel mit Preiszugeständnissen an die Veranstalter, also Verbände und private Messebetreiber, verbunden, ist aus dem Messeverband AUMA zu hören. Hinzu komme, dass Deutschland mit einem durchschnittlichen Vermietungs-Preis von 145 Euro pro Quadratmeter sehr günstig sei. Beides drücke auf die Erträge der Betriebe. Denn die vermietete Hallenfläche bei den 163 internationalen Messen in Deutschland stagniert. Die Hallenkapazität wird dagegen bis 2009 um 3,2 Prozent zulegen. Das Überangebot an Ausstellungsfläche wird in der Branche auf ein Drittel geschätzt.

Nach der Fläche ist Hannover der größte Messeplatz. Es folgen Frankfurt, Köln, Düsseldorf und München sowie Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Essen und Leipzig. Umsatzstärkste Messen sind Frankfurt und Düsseldorf. 2005 schlugen in Düsseldorf bei einem Umsatz von 315 Mill. Euro über vier Mill. Euro Gewinn zu Buche. Während aber Frankfurt der Stadt eine Dividende zahlt, reinvestiert Düsseldorf das Geld in den Ausbau.

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