Wettbewerbsklage
"Puppenkrieg" kommt nach Europa

Der Großaktionär des deutschen Puppenherstellers Zapf fährt schwere Geschütze gegen den Barbie-Produzenten Mattel auf. Mattel habe über 40 Firmen ausspioniert, lautet der Vorwurf. Jetzt sollen die Gerichte entscheiden.
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DüsseldorfDer amerikanische Spielwarenkonzern MGA Entertainment – Hersteller der vor allem in den USA populären „Bratz“-Puppen und Großaktionär des deutschen Puppenherstellers Zapf („Baby Born“) – strengt gegen den „Barbie“-Produzenten Mattel eine Wettbewerbsklage in Deutschland und Europa an. „Mattel hat MGA und weitere über 40 Firmen ausspioniert. Sie haben auch in Europa Ideen gestohlen. Deshalb werden wir eine Wettbewerbsklage anstrengen“, sagte Isaac Larian, CEO und Eigentümer von MGA Entertainment, dem Handelsblatt. „Wir erwarten von den deutschen Wettbewerbsbehörden eine wirklich hohe, sehr hohe Strafe“, sagte der Unternehmer persischer Herkunft. Larian wird bei der Wettbewerbsklage von der Frankfurter Kanzlei SKW Schwarz vertreten.

Laut Larian hatte Mattel eine Geheimabteilung namens Market Intelligence, die angeblich mit falschen Personalausweisen und Visitenkarten in Deutschland und Europa Konkurrenten ausspioniert hat. „Ein Tatort war beispielsweise die Internationale Spielwarenmesse in Nürnberg. Sie gingen zu den nichtöffentlichen Showrooms unter anderem von MGA und Zapf, um Informationen über neue Produkte der Konkurrenten zu stehlen“, sagte der CEO. Mattel Europa verwies gestern auf den Mutterkonzern im kalifornischen El Segundo, der aber für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war.

MGA hatte schon länger den Verdacht, dass Mattel sie ausspioniere. Es hätte zu viele Zufälle in der Produktpalette von Mattel gegeben, die kurz nach MGA-Produkten in sehr ähnlicher Form auf den Markt gekommen wäre. „Wir wissen mittlerweile, dass der Chef der Abteilung Market Intelligence einen Brief an den Vorstand von Mattel geschrieben hat, in dem er nicht mehr die illegalen Spionageaktivitäten verantworten wollte. Er war extrem nervös angesichts unserer Markterfolge mit den Bratz-Puppen“, sagt Larian.

Eine Kopie des Schreibens des damaligen Abteilungschefs Sal Villasenor der Market Intelligence liegt dem Handelsblatt vor. MGA leide nach eigener Aussage bis heute unter der Industriespionage von Mattel. „Wir brauchen eine sehr lange Zeit, um die Schäden, die wir durch Mattel erfahren haben, wieder zu beheben“, sagte Larian. Auf Grund des jahrelangen Rechtsstreits in den USA seien auch kaum neue Produkte auf den Markt gebracht worden.

In den USA tobt der Krieg der Puppenhersteller bereits seit Jahren. Mattel hatte ursprünglich den Herausforderer MGA auf mehrere Hundert Millionen Dollar verklagt. Der „Barbie“-Hersteller bezichtigte MGA, die Idee zu den „Bratz“-Puppen von Mattel geklaut zu haben. Die vor zehn Jahren eingeführten Puppen mit großen Kulleraugen sind weltweit die größte Herausforderung für die 52 Jahre alte „Barbie“. Doch im August kam es für Mattel ganz anders. Ein kalifornisches Gericht verurteilte den Spielwarenriesen zur Zahlung von knapp 310 Millionen Dollar an Schadensersatz, Gerichtsgebühren und anderen Kosten.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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