Whole Foods
Bio-Markt bekommt den Kundenärger zu spüren

Schwache Zahlen und böse Vorwürfe: Die amerikanische Bio-Kette Whole Foods wird einen Preisskandal nicht los; die Aktien an der Wall Street fallen wie reife Bio-Birnen vom Baum. Der Vorstand sieht sich als Opfer.
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San FranciscoVielleicht fühlten sich ja die Anleger bei Aktienkauf so übervorteilt wie manche Kunden in den Läden. Deshalb machten sie ihrem Ärger Luft und nahmen am Mittwoch mal eine eigenmächtige Korrektur am Preisschild vor. Sie schnitten mal eben 11,26 Prozent vom Schlusskurs der Aktie von Whole Foods, dem größten Bio-Händler der USA, ab. Der Kurs nähert sich mit 36,21 Dollar seinem 52-Wochen-Tief.

Hintergrund ist ein Skandal aus New York. Ende Juni machten Informationen die Runde, dass die Verbraucherschutzbehörde der Ostküsten-Metropole massive Vorwürfe gegen Whole-Foods-Läden in der Stadt vorgebracht hat. Sie sollen Kunden „systematisch“ bei der Preisauszeichnung übervorteilt haben. Das Management wies zunächst jegliche Verantwortung weit von sich und sprach von „Einzelfällen“. Erst später, vielleicht zu spät, gab es eine Entschuldigung. Man habe „Fehler gemacht“ und werde jetzt alle unternehmen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Das scheint auch dringend nötig und vor allem noch nicht gelungen zu sein. Der Umsatz auf vergleichbarer Fläche, eine Messzahl, um den „verschönenden“ Effekt von Neueröffnungen auf den Umsatz zu eliminieren, stieg mit nur noch 1,3 Prozent im Quartal zum Ende 5. Juli, das dritte des Geschäftsjahres, so schwach wie lange nicht mehr. Mit 2,9 Prozent hatten Analysten gerechnet, und auch das wäre schon weniger gewesen als in den Quartalen zuvor.

In den Wochen vor dem Skandal lag das Plus bei 2,6 Prozent, danach bei 0,4 Prozent. So sieht ein effektiver Kundenboykott also aus. Im zweiten und ersten Quartal hatten die Vergleichszahlen noch bei 3,6 und 4,5 Prozent gelegen.

Der Vorstand sieht sich jetzt als ein Opfer des Internets und der Medien, die Sache sei so „viral“ gegangen und habe das Vertrauen untergraben, so Co-Vorstandschef John Mackey während des Analystengesprächs. Andere Supermärkte seien nicht anders, aber sie seien an den Pranger gestellt worden.

Insgesamt, mit den neueröffneten Läden, kamen 3,63 Milliarden Dollar Umsatz zusammen und ein Nettogewinn von 154 Millionen Dollar, ein Plus von zwei Prozent. Das verpatzte Vierteljahr wird weitreichende Auswirkungen haben. Für das gesamte Geschäftsjahr wird jetzt ein Umsatzplus im „geringen einstelligen“ Bereich erwartet, zuvor war es im „geringen bis mittleren“ einstelligen Bereich. Das laufende Quartal werde ein Plus von sieben Prozent sehen, so die Aussage im Analystengespräch. Zuvor war auf acht Prozent gehofft worden.

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  • Der Preisskandal wird langfristig eine Randnotiz bleiben.
    Die Wachstumsgeschichte scheint intakt. Sowohl von der Geschäftsidee als auch den Zahlen. Ein Einstieg in WFM scheint sinnvoll.
    Jeder der mal in einem dieser Märkte war weiß, dass das keinesfalls nur ein Modetrend ist.

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