Widerstände gegen Alliance-Boots-Zusammenschluss
Anleger reagieren kühl auf Drogerie-Fusion

Die geplante Fusion der britischen Drogeriekette Boots mit dem Pharmahändler Alliance Unichem stößt in der Londoner City auf Kritik.

dih LONDON. Am Tag nach der Bekanntgabe des Zusammenschlusses bemängelten Fondsmanager, dass sich die langfristigen Aussichten für die Partner kaum verbesserten und dass der Deal für die Anleger nicht genug bringe. Die Ratingagenturen setzten die Bonitätsbewertung von Boots herab oder drohten damit. Einige Analysten hingegen betonten die Chancen für die Unternehmen.

Boots und Alliance Unichem hatten am Dienstag angekündigt, sich zu einem Konzern mit 13 Mrd. Pfund (rund 19 Mrd. Euro) Umsatz und rund 100 000 Beschäftigten zu vereinigen. Damit würden sie zum Hauptkonkurrenten des führenden europäischen Pharmahändlers Celesio aus Stuttgart. Boots will den Verkauf seiner Pharmaproduktionstochter BHI, für die sich unter anderem Bayer interessiert, bald abschließen und danach Alliance Unichem übernehmen. Die Boots-Aktionäre sollen 50,2 Prozent an dem neuen Unternehmen „Alliance Boots“ halten. Alliance würde dabei mit der aktuellen Marktkapitalisierung bewertet, so dass die Aktionäre keine Prämie auf den Aktienkurs erhielten.

„Wir wüssten gerne mehr über die langfristigen strategischen Vorteile des Zusammenschlusses“, sagte Martin Cobb, Investmentmanager bei Franklin Templeton, dem zweitgrößten Boots-Aktionär. „Bis dahin behalten wir uns unser Urteil vor.“ Grahame Exton von Tilney Investment Management sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Fusion sei kein Mittel gegen die Supermarktketten, die mit Kampfpreisen und breiten Drogerie- und Pharmasortimenten den Markt aufrollen: „Wenn man den Namen Boots über Apotheken in der Provinz hängt, ändert das kein Jota an den Aussichten dieser Läden.“

Andere Analysten verwiesen darauf, dass Alliance und Boots gemeinsam bessere Einkaufspreise für Medikamente und Drogerieprodukte aushandeln könnten. Die versprochenen Synergien von 100 Mill. Pfund im Jahr empfinden jedoch viele als mager. Die Analysten von JP Morgan beurteilen die Fusion positiv und hoben das Preisziel für Boots-Aktien von 660 auf 700 Pence an. Zur Begründung sagten sie unter anderem, dass ein Gegenangebot kommen könne, bevor die Fusion in trockenen Tüchern sei.

Diese Spekulation stützt trotz der vielen kritischen Stimmen den Aktienkurs von Boots. Er legte am Montag erst acht Prozent auf mehr als 650 Pence zu, schloss dann aber nur mit plus vier Prozent und gab am Dienstag auf 627 Pence nach. Alliance schlossen am Montag ein Prozent höher und sanken am Dienstag ebenfalls.

Auch die Rating-Agenturen äußerten Bedenken: Fitch senkte die Bonitätsbewertung für Boots-Schulden und beobachtet sie weiter mit negativer Tendenz. S&P und Moody’s kündigten ebenfalls eine Überprüfung mit möglicher Herabstufung an.

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