Widerstand der Gewerkschaften
Alitalia-Investoren ziehen sich zurück

Die Investorengruppe um den Piaggio-Chef Roberto Colaninno hat ihre Offerte für Alitalia zurückgezogen. Damit ist gestern auch der letzte Rettungsversuch für die kriselnde Fluggesellschaft gescheitert. Der Rückzug ist ein schwerer Schlag für Regierungschef Silvio Berlusconi.

MAILAND. Das Ultimatum der potentiellen Alitalia-Investoren ist am Donnerstag um 16 Uhr verstrichen, ohne dass die neun beteiligten Gewerkschaften unterschrieben haben. Stattdessen haben sechs Gewerkschaften einen Gegenvorschlag vorgelegt.

Colaninno, der Anführer des Konsortiums CAI, das das operative Geschäft von Alitalia übernehmen wollte, hatte den Arbeitnehmervertretern bis zum Nachmittag Zeit gegeben, seinen Geschäftsplan zu unterschreiben und andernfalls mit dem Rückzug der Offerte gedroht. Einen Gegenvorschlag hat er abgelehnt.

Die Zustimmung der Gewerkschaften war eine Bedingung für die Übernahme, da die neuen Eigentümer ihre drastische Restrukturierung nicht gegen den Willen der Mitarbeiter durchsetzen wollten. Vor allem die Vertreter der Piloten und der Flugbegleiter hatten sich gegen die Entlassungen und die neuen Konditionen gewehrt.

Die Gewerkschaften verkündeten am Donnerstag, dass sie den Flugverkehr garantieren werden: „Alitalia wird weiter fliegen, auch nachdem der Rückzug der Offerte der Cai offiziell bekannt gegeben wird. Es werden die Mitarbeiter sein, die die Kontinuität des Unternehmens garantieren, um die Kunden und deren Interessen zu schützen“, sagte Paolo Maras am Donnerstag, der Sekretär der Gewerkschaft SDL.

Der Rückzug der Investoren ist ein schwerer Schlag für Alitalia und für den Regierungschef Silvio Berlusconi. Der hatte Anfang des Jahres eine Offerte von Air France-KLM de facto boykottiert und im Wahlkampf eine italienische Lösung versprochen. Berlusconi hat daher alles daran gesetzt, die privaten Investoren von einem Engagement zu überzeugen und sich zuletzt auch persönlich in die Verhandlungen mit den Gewerkschaften eingeschaltet. Für ihn wäre ein Scheitern der geplanten Übernahme ein politischer Gesichtsverlust

.

„Ich bin nicht beunruhigt und ich hoffe, dass wir eine positive Lösung finden“, sagte Berlusconi am Donnerstag, während die ersten Nachrichten über ein Scheitern der Verhandlungen liefen. Mit dem Scheitern bleibt theoretisch nur die Insolvenz.

In Unternehmenskreisen galt der Rückzug der CAI gestern noch nicht als endgültig. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen taktischen Schachzug handeln kann. Denn die offizielle Offerte lief ursprünglich noch bis zum 30. September. Mit dem Ultimatum am Donnerstag hat Colaninno angesichts der kritischen Lage den Prozess beschleunigen wollen.

Nach dem Rettungsplan „Phönix„ der Berlusconi-Regierung sollte Alitalia in eine so genannte „Bad Company“ und eine „Good Company“ eingeteilt werde. In der „Bad Company“ sollten die Schulden und die Verlustbringer des Unternehmens zusammengefasst werden. Sie bliebe in Staatshand und hat bereits Insolvenz angemeldet, um Gläubigerschutz zu garantieren.

Die „Good Company“ – also das operative Geschäft ohne Wartung und Cargo – sollte Alitalia an eine Gruppe von 16 privaten Investoren (CAI) verkaufen. In die neue CAI sollte auch die italienische Fluggesellschaft Air One – bisher der größte Konkurrent von Alitalia – einfließen.

Insgesamt wollen die privaten Investoren mehr als eine Mrd. Euro in das neue Unternehmen investieren. Der Preis den sie dem Staat für den operativen Teil des Passagiergeschäft der Fluggesellschaft zahlen wollen wird auf 400 Mill. Euro geschätzt.

Genaue Zahlen sind immer noch nicht bekannt, zumal die Fluggesellschaft bis heute keine detaillierten Zahlen zur Verschuldung herausgegeben hat. Auch die Halbjahreszahlen hat das Management bisher nicht veröffentlicht. Die Schulden von Alitalia werden auf 1,2 bis 1,5 Mrd. Euro geschätzt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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