Wie die Lufthansa ihren 50. Jubeltag feiert
Harmonie über den Wolken

Es ist 7.25 Uhr. Etwas früh für Jazzmusik. Viel zu früh jedenfalls, um "Mr. Sandman" zu spielen. Am Gate A40 des Hamburger Flughafens kommt dennoch Laune auf.

HAMBURG. Die Party-Gesellschaft wird in die Welt der 50er-Jahre zurückgezaubert: Mit braunen und klobigen Rundfunkgeräten wie dem Graetz Kurfürst. Mit Nierentischen und Magazinen, von deren Cover die junge Maria Schell lächelt. Draußen auf dem Vorfeld steht eine Isetta im blau-gelben Lufthansa-Design von 1955. Daneben knattert der 190 PS starke Motor der Saab 91B Safir. Die Propellermaschine war zwischen 1957 und 1967 in der Lufthansa-Flugschule in Bremen im Einsatz. Die historischen Schmuckstücke sind begehrte Foto-Motive: Überall blitzt es, und überall steht Lufthansa drauf. Auf jeder freien Fläche. Sogar auf alten VW-Bussen.

Der Kranich-Konzern wird 50 - und das Fliegen darf bei der Feier nicht fehlen. Als der blau-gelbe Airbus A321 zum Sonderflug LH 1955 Richtung Düsseldorf abhebt, winken Zuschauer mit Taschentüchern. Die Stewardessen sind dunkelblau und zeitlos klassisch gekleidet. Nur ihre runden Jockey-Mützen und die weißen Handschuhe erinnern an frühere Luftfahrt-Tage. Passagiere halten die Ausgabe des Hamburger Echo vom 1. April 1955 in den Händen: "Die Wehrsteuer droht nun doch", steht groß auf Seite eins. Und daneben: "Wieder Frauenmord auf St. Pauli - Täter noch unbekannt." Immerhin: Die Lufthansa kriegt einen Einspalter: "Herzlichen Glückwunsch, Du edle Dame."

Das erste Lufthansa-Flugbillet vor 50 Jahren erhielt der Deutschlandkorrespondent des Londoner "Daily Express". Diesmal sind diverse TV-Sender an Bord, die lächelnde Stewardessen und Lufthansa-Piloten der ersten Stunde filmen. Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber spielt zwischen Düsseldorf und Frankfurt Flugbegleiter, bedankt sich via Funk bei den Helden der Vergangenheit - und verspricht neue Großtaten für die Zukunft: "Das, was wir geleistet haben, ist erst der Anfang", sagt er. Gerade hat Lufthansa den Rivalen Swiss geschluckt. Wie weit die Harmonie an diesem Jubeltag reicht, lässt sich am Revers von Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley ablesen: Noch vor zwei Jahren hatte er sich gegen die Übernahme der finanziell angeschlagenen Schweizer Fluglinie gewehrt. Heute hängt eine rot-weiße Nadel der Swiss an Kleys Jackett.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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