Wieder profitabel
Air Berlin schrumpft sich gesund

Die Fluglinie Air Berlin hat im dritten Quartal einen höheren Gewinn erzielt. Und auch für das Gesamtjahr sieht es nicht schlecht aus. Kein Wunder. Air Berlin hat früh gegen die Krise gesteuert.
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FRANKFURT. Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hinter Lufthansa, gewinnt nach der schweren Krise das Vertrauen des Kapitalmarkts zurück. Die durch eine massive Expansion in die Schuldenfalle geratene Airline konnte offensichtlich im dritten Quartal ungeachtet der Krise wesentliche Bilanzzahlen verbessern. Zwar gibt es die Details erst heute, doch lässt sich dieser grundsätzliche Trend aus den bereits am Dienstagabend publizierten Eckdaten für das dritte Quartal ableiten.

Nach Angaben des Unternehmens sprang das Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 33,5 Prozent auf 118 Mio. Euro in die Höhe. Das Netto-Ergebnis legte von 45,1 Mio. auf 95,2 Mio. Euro zu. Der Umsatz fiel dagegen um 8,2 Prozent auf 947 Mio. Euro.

Entsprechend positiv fiel das Echo der Analysten aus. „Air Berlin ist auf dem richtigen Weg“, glaubt Uwe Weinreich von Unicredit. Die Aktie von Air Berlin schoss am Morgen um über neun Prozent in die Höhe. Bis zum Nachmittag bröckelte das Plus auf rund drei Prozent ab. Zwar notiert das Air-Berlin-Papier mit 3,60 Euro unter dem Jahreshoch von gut fünf Euro. Dennoch legte die Aktie in den letzten zwölf Monaten im Schnitt über 30 Prozent zu.

Das zeigt, dass die Investoren wieder Vertrauen in das Unternehmen fassen. Vor allem das verdoppelte Netto-Ergebnis überzeugt die Experten. Sie gehen davon aus, dass sich damit auch der operative Mittelzufluss der Fluggeschaft weiter verbessert hat. „Der höhere Cash Flow wurde genutzt für eine weitere Reduzierung der Nettofinanzverschuldung“, ist sich Weinreich von Unicredit sicher.

Das Management um Firmengründer und CEO Joachim Hunold hatte in den letzten Quartalen stark auf die beiden Kennzahlen Cash Flow und Verschuldung geachtet. Nach einer massiven Einkaufstour war die Verschuldung dramatisch angestiegen. Da gleichzeitig der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft abebbte, fürchteten Analysten, dass Air Berlin in die gefährliche Situation geraten könnte, den Schuldendienst nicht mehr leisten zu können.

Doch mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. So konnte Air Berlin den operativen Cash Flow zum Halbjahr 2009 von 27,9 Mio. auf 84,3 Mio. Euro steigern. Gleichzeitig sank die Nettofinanzposition – also die Finanzschulden abzüglich der liquiden Mittel – von 762 Mio. auf 638 Mio. Euro. Damit hatte das Unternehmen bereits zur Jahresmitte mehr oder minder den ursprünglich zum Jahresende angepeilten Verschuldungsgrad erreicht.

Grund für die zunehmende Genesung sind zum einen massiv gekappte Kapazitäten. Das gilt vor allem für die chronisch Verlust bringende Langstrecke, bei der Air Berlin mittlerweile nur noch ausgewählte Ziele anfliegt. Auch bei den Personalkosten drückte das Management die Belastungen. Gleichzeitig holte das Unternehmen über mehrere Kapitalmaßnahmen frisches Geld rein.

Rückenwind gab es zudem beim Kerosineinkauf. Zwar konnte Air Berlin von den gegenüber dem Vorjahr niedrigeren Rohölpreisen in den ersten zwei Quartalen wegen der Absicherungsgeschäfte nicht profitieren. Im dritten Quartal gelang das aber sehr wohl, weil die Absicherung auslief. Auch für das vierte Quartal rechnet Stefan Kick von der Berenberg Bank hier mit positiven Effekten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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