Windeln.de
Ein Wachstumsstar wird zum Sanierungsfall

Windeln.de galt als Wachstumswert - und stürzte an der Börse ab. Jetzt entlassen die Münchener 100 Mitarbeiter und versprechen Gewinne, noch bevor das Geld aus dem Börsengang verbraucht ist.

Hamburg18 Euro kostete die Aktie von Windeln.de bei ihrem Börsengang im Mai 2015. Heute, gut ein Jahr später, notiert das Papier unter vier Euro. Das bleibt nicht ohne Folgen: 100 Mitarbeiter müssen gehen, ein Teil des Geschäfts wird aufgegeben, ein Lager von Deutschland nach Polen verschoben. Das am heutigen Mittwoch in einer Ad-hoc-Mitteilung verkündete Bündel an Maßnahmen soll den Münchener Online-Händler mittelfristig zu Gewinnen führen, sagte Finanzchef Nikolaus Weinberger dem Handelsblatt.

Im Frühjahr hatte eine andere Eilmeldung des Händlers eine riskante Entwicklung im Geschäftsmodell gezeigt: Windeln.de machte 2015 die Hälfte seines Umsatzes mit Exporten nach China. Besorgte chinesische Eltern bestellen seit Lebensmittelskandalen vor allem Babymilch gern in Europa. Davon profitierte Windeln.de - und erhöhte zugleich sein Risiko.

Neue chinesische Zollvorschriften erschweren seit Anfang 2016 den grenzüberschreitenden E-Commerce. Das schreckte Kunden ab, die befürchteten, ihr Paket könne bei Zoll liegenbleiben. Im April und Mai brachen die Bestellungen aus China bei Windeln.de um ein Viertel ein. Es folgte eine Gewinnwarnung, von dem sich der Aktienkurs bis heute nicht erholt hat.

Und auch der nun verkündete Strategieschwenk konnte die Aktie nicht aus dem Keller holen. Ursache sind die schwachen Halbjahreszahlen: Bei 101 Millionen Euro Umsatz weist Windeln.de einen operativen bereinigten Verlust (Ebit) von 15 Millionen Euro aus. „Windeln.de präsentiert sich, gut ein Jahr nach dem Börsengang, als Sanierungsfall“, urteilte etwa die Website „Exciting Commerce“.

Finanzchef Weinberger sieht die Aktienschwäche ebenfalls kritisch. „Wir sind nicht zufrieden mit dem Aktienkurs – gar keine Frage", sagte er dem Handelsblatt. Windeln.de sei in einer relativ frühen Phase der Unternehmensentwicklung auf das Parkett gegangen, gestand er ein - doch das habe auch Vorteile: „Der frühe Börsengang hat uns die Kapitalausstattung gebracht, die wir brauchen, um uns als Marktführer in Europa zu etablieren.“ Neues Geld sei vorerst nicht nötig. „Unsere derzeitige Kapitalausstattung reicht aus, um uns bis zur Profitabilität zu bringen.“

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Organisation und Führung werden umgebaut

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