Windfallprofits
Emissionshandel: Preissturz entlastet Konzerne

Die Wirtschaftskrise bringt den deutschen Energiekonzernen unverhoffte Entlastung. Die Rezession hat in Deutschland einen drastischen Preisverfall bei CO2-Zertifikaten ausgelöst. Während sich die großen Versorger, allen voran Eon und RWE, über Einsparungen von mehreren Hundert Millionen Euro freuen können, gehen der Bundesregierung erhebliche Summen durch die Lappen.

DÜSSELDORF/BERLIN. Der Erlös aus dem Verkauf von CO2-Verschmutzungsrechten dürfte 2009 nach Berechnungen des Handelsblatts um eine halbe Milliarde Euro geringer ausfallen als noch im vergangenen Jahr. Die Emissionszertifikate geben Unternehmen das Recht, eine bestimmte Menge des klimaschädlichen CO2 in die Umwelt abzugeben. Seit 2008 profitiert der Bund vom Emissionshandel und hat im ersten Jahr damit mehr als 933 Mio. Euro eingenommen. Denn während Industrieunternehmen alle Zertifikate, die sie bei normalem Betrieb benötigen, komplett kostenlos erhalten, müssen Energieversorger einen großen Teil zukaufen. Im vergangenen Jahr erzielte die bundeseigene KfW-Bankengruppe, die die Zertifikate im Auftrag des Bundes verkauft, dabei im Schnitt 23,33 Euro pro Tonne CO2.

Doch durch die Konjunkturkrise haben sich die Preise mehr als halbiert. In den vergangenen Tagen wurden Zertifikate je Tonne an der Leipziger Energiebörse EEX zeitweise unter neun Euro gehandelt, gestern notierten sie bei 9,70 Euro. Das sind über 60 Prozent weniger als Anfang September 2008, kurz vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman, mit dem sich die Finanz- zur Weltwirtschaftskrise ausweitete.

Den Energieversorgern hilft der Preisverfall. Sie mussten in den vergangenen Jahren für mehrere Milliarden Euro Zertifikate am Markt erwerben, um ihren Bedarf abzudecken. Dabei fehlten ihnen nicht nur in Deutschland Emissionsberechtigungen, sondern auch in anderen europäischen Ländern, insbesondere in Großbritannien. Eon muss nach eigenen Angaben pro Jahr Zertifikate für 35 Mio. Tonnen CO2 zukaufen. Bei RWE, Europas größtem Emittenten, sind es sogar 66 Mio. Tonnen. Genaue Angaben zum finanziellen Volumen machen die Konzerne zwar nicht. RWE hatte im vergangenen Jahr aber mit einer Belastung „in Milliardenhöhe“ gerechnet.

Ein RWE-Sprecher räumte ein, dass man mit geringeren Belastungen rechne, sollten die Emissionsrechte derart günstig wie zurzeit bleiben. Zum aktuellen Preis müsste der Konzern nur 640 Mio. Euro ausgeben – also deutlich weniger als die einkalkulierte Milliardensumme. Eon müsste nur für 340 Mio. Euro zukaufen.

„Durch den Wirtschaftseinbruch wird weniger produziert, dadurch wird weniger Energie verbraucht, und dadurch wird weniger CO2 freigesetzt“, erklärt Hans-Jürgen Nantke, Leiter der Deutschen Emissionshandelsstelle. Große Emittenten wie Chemiebetriebe, Stahlkonzerne, Zement- oder Papierhersteller haben ihre Produktion gedrosselt und ganze Fabriken stillgelegt.

Sie werfen ihre überflüssigen Zertifikate schon jetzt auf den Markt und drücken damit den Preis. Und auch der Bedarf der Stromproduzenten dürfte geringer ausfallen als kalkuliert.

Angesichts der fallenden Zertifikatepreise haben sich auch im zuständigen Bundesumweltministerium Hoffnungen auf üppige Einnahmen verflüchtigt. Im Bundeshaushalt sind für dieses Jahr 900 Mio. Euro vorgesehen, 460 Mio. Euro allein für das Bundesumweltministerium.

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