Winterfrust in Skigebieten: Sportbranche schreibt den Winter ab

Winterfrust in Skigebieten
Sportbranche schreibt den Winter ab

Jogging statt Skifahren: Händler und Hersteller stellen sich auf schneearme Zeiten ein und fahren die Kapazitäten runter. Gleichzeitig sollen neue Produkte wie die jüngste Generation von Carving-Ski den Kundenschwund bremsen.

MÜNCHEN. Die Pisten sind grün, in den Lagern der Sportgeschäfte stapeln sich die Skier: Für Händler und Skihersteller ist dieser Winter eine Katastrophe. Deshalb sucht die Industrie unter Hochdruck nach Konzepten, um künftig derartige Umsatzeinbrüche zu vermeiden. Angesichts der düsteren Klimaprognosen geht die Branche davon aus, dass es immer öfter schneearme Winter geben wird.

„Die Sport-Fachhändler müssen wetter- und saison-unabhängiger werden“, sagt Andreas Rudolf, Geschäftsführer der Händlervereinigung Sport 2000. Die jüngsten Zahlen machen deutlich, wie ernst die Lage ist. Im Dezember und Januar ging der Umsatz im deutschen Sporthandel im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent zurück.

Die Statistik ist zwar mit Vorsicht zu genießen, weil das Geschäft im Rekordwinter 2006 besonders gut lief. Für viele Händler ist das aber kein Trost, denn sie haben auch im guten Jahr 2006 die Gewinnschwelle nur knapp übersprungen. „Die Umsatzrendite gemessen am Nettogewinn liegt in vielen Betreiben gerade mal bei zwei Prozent“, sagt Hartmut Fröhlich. Der Vorstand des in Europa führenden Händlerverbunds Intersport geht davon aus, dass so mancher Ladeninhaber die Skier bald ganz aus dem Verkaufsraum räumt. „Die Zahl der Skihändler wird sinken“, ist Fröhlich überzeugt.

Die Skihersteller sehen die Entwicklung mit Entsetzen – und üben sich in Galgenhumor. „Womöglich gehen wir in 20 Jahren zum Skifahren nach Sibirien, so wie wir heute zum Tauchen auf die Malediven fliegen“, sagt Gregor Dietachmayr, Chef der österreichischen Skifabrik Fischer.

Dietachmayr liegt mit seiner Einschätzung bezüglich des Tauchens nicht ganz falsch. Denn was den Händlern im Skibereich wegfällt, versuchen sie mit anderen Kategorien wieder hereinzuholen. „Wir verzeichnen derzeit einen Boom bei Badeartikeln“, sagt Intersport-Vorstand Klaus Jost.

Hinzu kommt, dass Laufschuhe inzwischen das ganze Jahr über gefragt sind. Dies führte dazu, dass der japanische Schuhhersteller Asics inzwischen die drittgrößte Sportmarke hier zu Lande ist. Das ist bemerkenswert, denn im Gegensatz zu den Marktführern Adidas und Nike verkauft Asics in Deutschland wenig Sportkleidung, hat also ein deutlich kleineres Sortiment. Doch wenn die Menschen von Januar bis Dezember zum Joggen können, brauchen sie auch mehr Schuhe. Bei Preisen von meist deutlich mehr als 100 Euro sind dies auch für die Händler attraktive Produkte.

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