Wintergeschäft: Krise in Nordafrika trübt die Tui-Bilanz

Wintergeschäft
Krise in Nordafrika trübt die Tui-Bilanz

Der Reiseriese Tui Travel kann die Umbrüche in der arabischen Welt auffangen. Zum Start in den Winter meldet Europas größter Anbieter durchwachsene Zahlen. Doch der saisonübliche Verlust hält sich in Grenzen.
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Crawley/HannoverDer größte europäische Reiseveranstalter Tui Travel hat die Folgen der Unruhen in Nordafrika zum Start in die Wintersaison relativ gut weggesteckt. Von Oktober bis Dezember konnte das Unternehmen seinen Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht verringern. Wie die Pauschalreise-Tochter des Tui-Konzerns aus Hannover am Dienstag am Firmensitz in Crawley bei London bekanntgab, ging das Minus im ersten Geschäftsquartal unterm Strich von 106 auf zuletzt 103 Millionen britische Pfund (124 Mio Euro) zurück. 

„Wir sind mit den Fortschritten in unserem Geschäft zufrieden“, sagte Tui-Travel-Chef Peter Long. Er hatte eine Abkühlung erwartet. Vor allem die Online-Buchungen legten insgesamt aber deutlich zu. 

Im Winter schreiben Reiseanbieter meist rote Zahlen, ihre Gewinne fahren sie in den Sommermonaten ein. Seinen Umsatz konnte Tui Travel um fünf Prozent auf 2,845 Milliarden Pfund (3,431 Mrd Euro) steigern. Wegen der weiterhin unsicheren Lage hielten viele Urlauber jedoch Abstand von den Feriengebieten in Ägypten oder Tunesien, hieß es. 

Um Sondereffekte bereinigt wuchs der operative Verlust: Nach minus 86 Millionen Pfund vor einem Jahr lag der Fehlbetrag bei 109 Millionen Pfund. Long führte dies auch auf die schwache Nachfrage nach Zielen in Nordafrika zurück. Deutsche Touristen reduzierten ihre Buchungen dort um 37 Prozent. Mit Blick auf die Schuldenkrise in vielen Staaten sprach Long von einem „herausfordernden Umfeld“. 

Insgesamt entschieden sich in Deutschland seit Anfang Dezember vier Prozent mehr Kunden für eine Reise mit Tui Travel. Viele wichen von Nordafrika auf die Kanarischen Inseln aus. Last-Minute-Reisen des Ablegers L'Tur behaupteten sich mit einem Plus von 18 Prozent. Für den Sommer gab sich Long optimistisch: Über ein Viertel der Reisen seien inzwischen verkauft, die Deutschen zeigten allerdings weniger Interesse an Ferienzielen in krisengeschüttelten Griechenland. 

Schwer gebeutelt von den Umwälzungen in der arabischen Welt blieben die französischen Tour-Anbieter. Die Buchungen gingen hier um 23 Prozent zurück - ebenso stark wie in Großbritannien. Angesichts der verringerten Kapazitäten in der östlichen Mittelmeer-Region habe sich der Markt im Januar aber gut entwickelt, hieß es. Klar aufwärts ging es in den vergangenen Wochen in Skandinavien. Zugleich machte sich dort jedoch die Flutkatastrophe in Thailand negativ bemerkbar. 

Im Geschäftsjahr 2010/2011 war Tui Travel trotz der schwierigen Marktlage mit einem Ertrag von 85 Millionen Pfund in die Gewinnzone zurückgekehrt - vor allem dank des Booms bei teuren Exklusiv-Reisen. Im Vorjahr hatte wegen der Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch in Island ein Verlust von 123 Millionen Pfund in der Bilanz gestanden. 

Die Kreuzfahrt-Ableger des Tui-Konzerns haben seit dem Untergang der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio nach eigenen Angaben noch keine Buchungsrückgänge zu spüren bekommen. Ob sich das Unglück auf die Saison 2013 auswirken könnte, sei aber unklar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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