Wintersaison 2003/04 ist vielversprechend
Touristik setzt auf kalte Jahreszeit

Die großen Reisekonzerne Tui, Thomas Cook und Rewe Touristik haben übereinstimmend von guten Buchungsumsätzen für die Wintersaison berichtet. Dennoch ist nicht mit zweistelligen Zuwachsraten im Reisemarkt zu rechnen. Das sagte der Freizeitforscher Prof. Horst W. Opaschowski vom Hamburger B.A.T-Forschungsinstitut am Dienstag auf dem Tourismusgipfel in Berlin.

HB BERLIN. Trotz erstmals wieder steigender Buchungsumsätze muss die Branche sich allerdings nach Ansicht von Experten auch bei einem Ende ihrer bisher schwersten Krise auf wesentlich geringere Zuwächse als in der Vergangenheit einstellen. „Die Zeiten der zweistelligen Zuwachsraten im Reisemarkt sind erst einmal vorbei“, sagte der Freizeitforscher Prof. Horst W. Opaschowski vom Hamburger B.A.T-Forschungsinstitut am Dienstag auf dem Tourismusgipfel in Berlin. „Die Reise geht sicher weiter - allerdings unter veränderten Bedingungen“, sagte Opaschowski.

Die großen Reisekonzerne TUI, Thomas Cook und Rewe Touristik berichteten übereinstimmend von guten Buchungsumsätzen für die Wintersaison, die inzwischen nach einer schwachen Frühbucherphase mittlerweile die wöchentlichen Vorjahresumsätze übertreffen würden. Tui-Chef Michael Frenzel forderte die Branche auf, aus Fehlern der vergangenen zwei Jahre zu lernen. Dazu zähle insbesondere, die Kapazitäten für Flüge und Hotels zu begrenzen.

„Es liegt an uns, über unsere Kapazitätspolitik in Deutschland wieder vernünftige Strukturen herzustellen“, sagte Frenzel. „Ich denke, die Branche hat ihre Lektion gelernt.“ Cook-Chef Stefan Pichler wies den Verdacht des Bundeskartellamtes zurück, die Touristikunternehmen würden möglicherweise illegale Absprachen treffen, um einen ähnlichen Preisrutsch wie in der gegenwärtigen Sommersaison künftig zu vermeiden.

Geschäft der Billigfluglinien nimmt zu

Das Geschäft der Billigfluglinien wird nach Ansicht von großen Teilen der Branche weiter zunehmen. Michael Garvens, Chef des auf Billigfluglinien spezialisierten Flughafens Köln-Bonn, rechnet binnen fünf Jahren damit, dass der Marktanteil der Low-Cost-Anbieter an der deutschen Luftfahrt auf etwa 40 Prozent wachsen werde.

Managementkrise in der Reisebranche

Freizeitforscher Opaschowski sieht die Touristikbranche auf vier zentralen Feldern in einem tief greifenden Wandel. Dazu zählte er die weltweiten Klimaveränderungen, die anhaltenden allgemeinen wirtschaftlichen Probleme, die schrumpfende und zugleich älter werdende Bevölkerung sowie die veränderten Ansprüche der Verbraucher an Urlaub. „Mit dem Klimawandel brechen heiße Zeiten für den Tourismus an“, sagte Opaschowski. Dazu gehöre beispielsweise auch, die wachsende Zahl reiserfreudiger Senioren als neue Kernzielgruppe der Touristik mit einem Millionenvermögen zu erkennen. Die Reisebranche stehe vor „einer Revolution auf leisen Sohlen“.

Für die aktuellen Probleme der Branche seien die Tourismusmanager vor allem selbst mitverantwortlich, sagte er. Branche wie Verbraucher seien mit hektischem Krisenmanagement verunsichert worden. „Das Tourismusmanagement, nicht die Urlaubsreise befindet sich in der Krise“, sagte Opaschowski. „Manche Tourismus-Manager wissen auch nicht genau, wohin es geht. Aber sie wollen in jedem Fall als erste da sein“, fügte er hinzu. Der aktuelle Trend zu kürzeren Reisen, flexiblen Reisezeiten und immer kurzfristigerem spontanerem Buchen seien bereits in den achtziger Jahren vorhergesagt worden.

Schnelle Reformen gefordert

Dagegen sieht der Präsident des Bundesverbandes Tourismus-Wirtschaft (BTW), Klaus Laepple, die wesentliche Ursache für den Rückgang der Reiseumsätze in der allgemeinen Konsumschwäche. Die Politik müsse die angekündigten Reformen zur Belebung der Konjunktur schnell auf den Weg bringen, sagte Laepple. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte am Vorabend zum Auftakt des jährlichen Branchentreffens erklärt, die Talsohle der Krise in Touristik und Luftfahrt sei überwunden.

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