Wintersportorte setzen auf moderne Technik
Schneekanonen und Superlifte locken

Die Wintersportorte in den Alpen haben vor Beginn der neuen Saison so viel Geld in Lifte und Schneekanonen gesteckt wie schon lange nicht mehr. Im harten Konkurrenzkampf der Skigebiete kann nur mithalten, wer moderne, schnelle Liftanlagen mit kurzen Wartezeiten bieten kann.

MÜNCHEN. „Wir wollen die Vorreiterrolle zurückgewinnen“, lautet die Kampfansage von Manfred Filzer, Chef der Kitzbüheler Bergbahn AG, an die Wettbewerber. Jahrelang hat der Tiroler Prominentenort vergleichsweise wenig Geld für neue Lifte ausgegeben. Die Folge: Viele Gäste drohten in Gebiete mit moderneren Seilbahnen abzuwandern. Jetzt schlägt Kitzbühel mit aller Macht zurück: 13 Mill. Euro hat die Bergbahngesellschaft in eine neue Gondel investiert.

Die Tiroler stehen mit ihren Investitionen nicht alleine da; von Südtirol bis Oberbayern sind die Bagger angerückt, um neue Bahnen zu bauen. So entstand im Südtiroler Gröden eine 1,2 Kilometer lange U-Bahn. Ischgl in Tirol beschert den Urlaubern gleich zwei neue 6er-Sessellifte. Vorbild auf diesem Gebiet ist Frankreich mit riesigen, fast perfekt ausgebauten Wintersportstationen.

In den Alpen gibt es etwa 10 000 Lifte und Seilbahnen. Doch viele davon sind veraltet und werden durch neue ersetzt, die mehr Gäste befördern können und bequemer sind. Weil in den vergangenen Wintern oft der Schnee fehlte, stecken die Skiorte zudem Millionen in große Beschneiungsanlagen.

Ohne den Wintertourismus könnten viele Alpenorte nicht überleben. Nach Angaben des bayerischen Wirtschaftsministeriums übernachten im Freistaat im Winter zwar weniger Urlauber als im Sommer. Die Skitouristen geben dafür aber mehr aus.

Dass sich das Geschäft trotz der hohen Investitionen lohnt, versucht die Schörghuber-Gruppe (Paulaner, Arabella-Hotels) zu beweisen. Am Spitzingsee, im traditionellen Hausgebiet der Münchener, will der Konzern in den nächsten Jahren mehr als zehn Mill. Euro in neue Lifte und Schneekanonen stecken. Eine erste Anlage wird in diesen Tagen eingeweiht, ein weiterer Sessellift soll nächstes Jahr folgen. Zudem betreibt die Gruppe Anlagen am Tegernsee und in Lenggries. „Operativ sind die Anlagen alle profitabel“, sagt ein Sprecher.

Die Bauarbeiten stoßen nicht überall auf Zustimmung. Umweltschützer stören sich an den gestiegenen Kapazitäten und den Schneekanonen. In Bayern werden derzeit zwar nur elf Prozent der Pisten künstlich beschneit, doch in Österreich sind es schon 30 Prozent, in Südtirol sogar fast 80 Prozent. Bundesumweltminister Jürgen Trittin forderte deshalb jüngst ein Öko-Siegel für Skigebiete.

Ein Ende des Baubooms in den Wintersportregionen ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Allein Kitzbühel werde jährlich zehn bis 15 Mill. Euro in neue Lifte und Beschneiungsanlagen investieren, verspricht Bergbahn-Chef Filzer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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