Wirtschaftskrise
Stiftungen im Bann der Rezession

Lange galten Unternehmensstiftungen als sichere Bank. Diese Zeiten sind vorbei. Die Wirtschaftskrise trifft nun auch die Stiftungen mit voller Wucht. Die Einnahmen gehen deutlich zurück. Bei der Bertelsmann - und der Krupp-Stiftung droht gar die Dividende auszufallen. Das hat Konsequenzen.

fas/fo/hps/mur/HB DÜSSELDORF. Die Wirtschaftskrise macht nun auch den großen Unternehmensstiftungen in Deutschland zu schaffen. Europas größter Medienkonzern Bertelsmann etwa prüft angesichts der schwierigen Lage erstmals in der Firmengeschichte, die Dividende für die Bertelsmann-Stiftung zu streichen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Vorstandskreisen. Im vergangenen Jahr kassierte die Stiftung noch 72 Mio. Euro.

Unsicher sind auch die Zahlungen anderer Konzerne an ihre Eigentümer-Stiftungen, etwa beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp. Andere Firmen wie der Autozulieferer Bosch zahlen weiter Dividende, obwohl die Krise zu einem massiven Gewinneinbruch führt. Insgesamt kassierten Stiftungen nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Stiftungen zuletzt rund sieben Mrd. Euro an Ausschüttungen und Spenden. Für dieses und das nächste Jahr wird mit einem Rückgang von jeweils zehn Prozent gerechnet.

Die Erträge aus dem Stiftungsvermögen von etwa 120 Mrd. Euro verwenden die Einrichtungen vor allem für kulturelle, soziale und wissenschaftliche Zwecke. Bertelsmann zum Beispiel ist auch einer der großen Förderer von Bildungseinrichtungen und Bildungsforschung. Bei dem Medienkonzern hat sich die Lage im ersten Halbjahr dramatisch verschlechtert, der Verlust beträgt 333 Mio. Euro, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es noch 372 Mio. Euro Überschuss. Vorstandschef Hartmut Ostrowski schloss gestern nicht aus, dass Bertelsmann auch im Gesamtjahr rote Zahlen schreibt. Die Stiftung ist mit 76,9 Prozent der Kapitalanteile größter Gesellschafter bei Bertelsmann. Die Stiftung wird vom früheren Bertelsmann-Chef und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Gunter Thielen geleitet.

Die Stiftung hat bereits in diesem Jahr ihr Budget um zehn Mio. Euro auf 70 Mio. Euro gesenkt. Insidern zufolge will sie den Finanzrahmen im nächsten Jahr nochmals um weitere zehn Mio. Euro senken. Die Zahl der Mitarbeiter wird reduziert. Deshalb werden auslaufende Verträge nicht verlängert, um Personalkosten zu sparen. Die Stiftung wies jedoch darauf hin, dass durch die Bildung einer Rücklage in Höhe von 165 Mio. Euro vorgesorgt sei.

Vorbereitet auf schwierige Zeiten ist auch die Carl "Wir haben Rückstellungen, die uns für zwei bis drei Jahre Spielraum auch für neue Projekte lassen", sagte Geschäftsführer Klaus Herberger. Die Stiftungsfirmen Schott AG und Carl Zeiss AG schütteten in den vergangenen Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag aus. Für das laufende Geschäftsjahr sei eine "nicht so üppige" Dividende möglich.

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