Wirtschaftsprüfer
Ins Schwarze getroffen

So ziemlich alles haben die großen Wirtschaftsprüfer versucht, um die scharfen Auflagen durch die EU zu verhindern. Doch offenbar vergeblich. Die neuen Pläne dürften sie hart treffen. Völlig zurecht. Ein Kommentar.
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Kein Zweifel: Genauso wenig wie Ratingagenturen nicht zuletzt wegen ihrer mangelnden Unabhängigkeit lange Zeit Finanzprodukte und Unternehmen nicht sachgerecht eingeschätzt haben, so haben auch Wirtschaftsprüfer zu lange geschwiegen, wenn sie in Bilanzen zu große Risiken feststellten. Beide zusammen haben damit jener Krise Vorschub geleistet, die erst eine Finanzkrise gewesen und jetzt eine Schuldenkrise geworden ist.

Gebüßt haben dafür zumindest in Maßen jedoch nur die Ratingagenturen, die einer schärferen Regulierung unterworfen wurden und beispielsweise nur noch da ihre Dienste anbieten dürfen, wo sie auch mit eigenen Niederlassungen aktiv sind. Die Konsequenzen für die Wirtschaftsprüfer stehen bislang aus. Dass sich das nun ändern soll, ist gut so. Es geht darum, die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer zu stärken, damit ihre Testate tatsächlich am Ende aussagen, wie es um das Unternehmen bestellt ist. Interessenskonflikte dürfen nicht länger vorkommen.

Genau das ist aber der Fall, wenn Wirtschaftsprüfer Prüfungsmandate hauptsächlich annehmen, um so an attraktive Beratungsmandate zu kommen.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barniers Vorschlag, Prüfungs- und  Beratungsunternehmen strikt zu trennen, trifft deswegen ins Schwarze. Und er trifft die Branche ins Mark, die sich bisher genau in diese falsche Richtung bewegt hat. Sie muss die Qualität ihrer Prüfungen verbessern, weil sie sonst ihre Existenzberechtigung verliert. Höhere Qualität heißt aber höhere Kosten. Um mehr zu verdienen, hatten die sogenannten Big Four-Gesellschaften -  also PWC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte -  die Flucht in die Beratung angetreten. Deloitte scheiterte zwar noch mit dem Versuch, sich mit den Beratern von Roland Berger zusammenzutun. Doch kleinere Fusionen sind längst unter Dach und Fach.

Damit könnte jetzt Schluss sein, wenn Barnier ernst macht. Ein Drama für die Prüfungsgesellschaften muss das nicht sein. Sie könnten vielmehr argumentieren, dass ihre Testate künftig mehr Geld wert seien, weil sie wirklich unabhängig von irgendwelchen Folgegeschäften in der Beratung und mit höherem Aufwand erstellt worden sind. Es wäre der ehrlichere Weg.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Wirtschaftsprüfer: Ins Schwarze getroffen"

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  • Werter Kollege,

    Ihre Aussagen sind schlichtweg falsch! Wir testieren folgendes:

    "...der Jahresabschluss vermittelt unter der Beachtung der Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft."

    Wenn Sie aber jedes Jahr neu bestellt werden und das Mandat auch noch beraten besteht immer das Risiko, dass Sie bei Erfüllung der beruflichen Pflichen das Mandat verlieren. Deshalb gilt leider heute in unserer Branche:

    "Der Pfuscher der hat Brot und der Meister der hat Not. Und der Pfuscher, das liegt in der Natur der Sache ist auch ein Vertuscher."

    Wirtschaftsprüfer die ihrem Berufseid folgen und ihren Beruf nach den vorgeschriebenen Gesetzen ausführen sind nun mal arbeitslos. Währen die Big-Four-Pfuscher sich schamlos bereichern. 15 Mrd. Euro beträgt das Honorarvolumen in Deutschland in der Abschlussprüfer. Ehrliche und anständige Wirtschaftsprüfer sehen davon keinen einzigen Euro. Das ist die Realität.

  • Ich habe mich ohnehin gewundert, dass die Wirtschaftsprüfer nicht früher in den Fokus durch die Bankenkrise gekommen sind. War es nicht diese Zunft, die die Bilanzen der Kreditinstitute geprüft und testiert hat? Gehörte zu diesem Prüfungsauftrag nicht mehr die Risikoeinschätzung von Engagements und gegebenfalls die Versagung des Testats bei ungenügender Wertberichtigung kritischer Engagements? Hätte man dies mit der notwendigen Sorgfalt getan, so wie ich es noch vor 10 Jahren erlebt habe, hätte es erst garnicht zur Bankenkrise kommen können. Die früher bewährten Grundsätze über das Eigenkapital und die Liquidität wurden ja ohnehin über Bord geworfen. Bilanzwahr- und Bilanzklarheit wurden teils auch durch den Gesetzgeber verwässert und es wurde gestattet, risikoreiche Geschäfte ausserhalb der Bilanz über windige Tochterunternehmen abzuwickeln. Hieran hat die Zunft der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften "segensreich" mitgewirkt. Die Internationalisierung und Globalisierung, auch der grossen WP-Gesellschaften, tat ein Übriges.
    Eine unabhängige Beratung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ist deshalb nicht zu erwarten, da im Vordergrund immer der Ausbau und die Bewahrung des lukrativen Mandats stehen wird. Von daher ist es nachvollziehbar, dass über eine strkte Trennung nachgedacht wird.

    Willi Enders
    Heusweiler

  • Auch wenn ich Ihrer Meinung bin, Wirtschaftsprüfer sollten von ihrem Beratungsgeschäft getrennt werden, zeugt doch ihr Satz "so haben auch Wirtschaftsprüfer zu lange geschwiegen, wenn sie in Bilanzen zu große Risiken feststellten." von Unverständnis für das heute (zugegebenermaßen durch EMH und Neoklassik ideologisch verbrämte) Dogma, dessen Ausfluss WPs bilden: es ist gerade nicht Aufgabe einer Prüfung "zu große" Risiken zu erkennen, kommentieren oder kritisieren. Diese Aufgabe fällt dem Investor zu, dessen Risikoappetit darüber entscheidet, welche Risiken eingegangen werden. WPs müssen Risiken erkennen, die zu einer Verzerrung der Darstellung der "Realität" führen könnten. Sie prüfen also Prozesse, Governance und Steuerung von Unternehmen, und damit deren Fähigkeit, einen "fair and acurate" Bericht über die eigene Lage abzugeben.

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