Wirtschaftsprüfer
PWC zieht ernüchternde Bilanz

Alle reden vom Aufschwung. Doch die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers warnen vor zu frühem Optimismus. Sie können den positiven Trend nicht bestätigen. Und auch das eigene Geschäft könnte besser laufen.

FRANKFURT. In den Jubel über die Erholung der Wirtschaft stimmt die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC) nicht ein. "Der politische Optimismus ist bei uns noch nicht angekommen", sagte PWC-Vorstandssprecher Hans Wagener gestern in Frankfurt. Er attestiert den deutschen Unternehmen noch keine Verbesserung ihrer finanziellen Situation: "Wir sehen bei einigen mittelständischen Kunden immer noch deutliche Einbrüche bei den Auftragseingängen." Bei einer Verbesserung von minus 40 Prozent auf minus 38 Prozent will der Bilanzexperte noch von keinem nachhaltigen Umschwung sprechen.

Auch für das eigene Geschäft, das im ersten Halbjahr unerwartet stark eingebrochen ist, bleibt Deutschland-Chef Wagener skeptisch. Selbst wenn sich die deutsche Wirtschaft im Frühjahr 2010 erholt, spüre das PWC frühestens im Sommer, sagte er. Bereits im Geschäftsjahr 2008/09, das im Juni endete, verbuchte PwC den stärksten Einbruch in der Firmengeschichte. Die Gesamtleistung, also Umsatzerlöse und Veränderungen des Bestands an begonnen Prüfungsaufträgen, sank um 7,1 Prozent auf 1,37 Mrd. Euro. Selbst nach dem Platzen der Dotcom-Blase war die Gesamtleistung nur um zwei Prozent geschrumpft.

Im Bereich Assurance, dem größten Geschäftsfeld von PWC, brach die Gesamtleistung sogar um 9,6 Prozent auf 769 Mio. Euro ein. Mit Tarifen von 20 bis 30 Prozent unter dem üblichen Niveau leidet der Prüfungsbereich unter einem starken Preiswettbewerb. Wichtige Mandate hat PWC jedoch nicht verloren. Im Bereich Steuerberatung verzeichnete PWC ein Minus von 4,2 Prozent, da das Fusions- und Übernahmegeschäft lahmt. "Firmen, die Verluste einfahren, benötigen weniger Beratung zur Steueroptimierung", ergänzte Wagener.

Ein paar Lichtblicke gab es dennoch: Neben der Sanierungs- und Regulierungsberatung konnte PWC in der Beratung der Öffentlichen Hand zulegen. Außerdem hofft Wagener, dass die neue Bundesregierung weniger Berührungsängste vor externen Beratern habe als die alte. Die Personal- und Sachkosten steuerte PWC effizient. Die noch recht jungen Mitarbeiter seien so qualifiziert, dass PWC sie flexibel in verschiedenen Bereichen einsetzen könne, sagte Personalvorstand Marius Möller. Zwei Drittel der Mitarbeiter sind jünger als 30 Jahre. So schaffte es PWC, das Jahresergebnis bei rückläufigem Umsatz von 7,1 auf 9,6 Mio. Euro zu steigern.

Die anderen großen Wirtschaftsprüfer KPMG, Ernst & Young und Deloitte & Touche haben noch keine Zahlen vorgelegt. Wagener erwartet, dass diese ebenfalls von der Krise betroffen sind. Geschäft von PWC bekommen die drei Konkurrenten jedenfalls nicht: Den PWC-Abschluss prüft die Kasseler Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ludewig und Partner.

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