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Wirtschaftsprüfer lernen lebenslang

Sowohl für Steuerberater als auch für Wirtschaftsprüfer führen die ständig wechselnden wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu einem starken Fort- und Weiterbildungsbedarf. Die gut ausgebildeten Mitarbeiter der großen Prüfungsgesellschaften profitieren davon, weil sie durch die dort erworbenen Zusatzqualifikationen für die Konkurrenz, aber auch für Jobs in der Industrie interessant werden.

Fragt man Jürgen Pinne nach dem deutschen Steuerrecht, fängt er erst mal an zu schimpfen. Es sei inzwischen ein großes, unübersichtliches Wirrwarr entstanden. „Schuld daran ist die Politik, die die Gesetze abhängig von der Kassenlage ständig ändert“, sagt Pinne. Dabei sei die Systematik völlig verloren gegangen. Pinne muss es wissen. Er ist seit 39 Jahren selbstständiger Steuerberater und seit 1980 Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes. In wenigen Wochen wird er sein Amt niederlegen. Zwar rechnet der 68-Jährige nicht damit, die Vereinfachung des deutschenSteuersystems selbst zu erleben, die Job- und Karriereperspektiven für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bezeichnet er aber auch in Zukunft als „sehr gut“. Kein Wunder, ist eine immer komplexer werdende Gesetzeslage doch auch eine Bestandsgarantie für die Branche, weil der Beratungsbedarf weiter ansteigt.

Das macht sie gleichzeitig auch zu einem krisenfesten Arbeitgeber. Sowohl für Steuerberater als auch für Wirtschaftsprüfer führen die ständig wechselnden Rahmenbedingungen aber auch zu einem starken Fort- und Weiterbildungsbedarf, der hohe Kosten verursacht. Die gut ausgebildeten Mitarbeiter der großen Prüfungsgesellschaften profitieren davon, weil sie durch die dort erworbenen Zusatzqualifikationen für die Konkurrenz, aber auch für Jobs in der Industrie interessant werden. Bei den kleinen Kanzleien, insbesondere bei den Einzelkämpfern der Branche, beschleunigt der Trend zur Spezialisierung die Konsolidierung der Branche.

Volker Specht hat demnach die Zeichen der Zeit erkannt. Der 30-Jährige hat nach seinem Betriebswirtschaftsstudium in Passau vor fünf Jahren bei der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in München angefangen. Anfang 2009 wurde er zum Wirtschaftsprüfer berufen, vorher hatte er bereits die Steuerberaterexamen erfolgreich bestanden. „Zur Aus- und Fortbildung bei KPMG gehören daneben auch zahlreiche interne Pflichtveranstaltungen“, sagt Specht. „Unter anderem regelmäßige Updates zu aktuellen Rechnungslegungsthemen und Neuerungen bei unserer Prüfungsmethodik.“ Es gibt aber auch Kurse zu branchenspezifischen Themen, die dem Nachwuchs eine erste Spezialisierung ermöglichen.

Nachdem Specht fünf Jahre in Prüfungsteams vor allem in der Medienbranche gearbeitet hat, konzipiert er seit kurzem in der internen Grundsatzabteilung Fortbildungs- und Trainingsprogramme für die Kollegen. „Ich bringe hier Erfahrungen ein, die ich bei Kunden gesammelt habe“, sagt Specht. In der Grundsatzabteilung bestehe für ihn jetzt die Möglichkeit, sich zwei Jahre intensiv mit fachlichen Fragen der Rechnungslegung zu beschäftigen. In zwei Jahren geht er dann zurück ins operative Geschäft. Momentan ist er vor allem damit beschäftigt, die Kollegen auf die neuesten Entwicklungen bei den internationalen Standards wie IAS und IFRS hinzuweisen.

Einen besonders hohen Weiterbildungsbedarf sieht KPMG außerdem zurzeit in den Bereichen Risikomanagement, Corporate Governance, Compliance, Nachhaltigkeit, Liquiditätsplanung und dem Einsatz der IT bei der Prüfung.

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