WM in Südafrika
Zu Gast bei Fremden

Die Fußball-WM 2010 ist das erste globale Großereignis in Afrika. Es fehlt noch an vielem – zum Beispiel Hotels. Eine deutsche Firma setzt deshalb Kreuzfahrtschiffe als Luxus-Quartiere ein. Das Vorhaben erzählt viel darüber, wie man in Südafrika Geschäfte machen kann – und wie nicht.
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BARCELONA/KAPSTADT/MÜNCHEN. Das Taxi gleitet die sonntagsleere Küstenstraße hinunter, auf dem Beifahrersitz trommelt ein Mann nervös mit der Hand auf sein Knie. Sie waren zeitig losgefahren, die Luft war noch kühl von der Nacht. Doch in der Stadt gab es einen Marathon, der Taxifahrer musste viele Umwege fahren. Till Gumz hasst Verspätungen, Unwägbarkeiten. Er hat einen wichtigen Termin.

Das Schiff legt in Europa an, Barcelona. Es ist der letzte Test, bevor es ernst wird. Drei Jahre Arbeit. Es geht darum, ob seine Firma halten kann, was sie für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika verspricht. Es geht um Sicherheit, Essen, Luxus, um ein Millionengeschäft.

Das Taxi hält vor einer hohen Stahlwand, glatt, schwarzblau glänzend, unbezwingbar. Die "MS Noordam". Gumz, der Planer und Vermarkter, betritt das Schiff über einen Metallsteg. Er ist jetzt zu Gast bei Partnern.

Der Mann, der ihn erwartet, ist von ähnlicher Statur wie Gumz, V-förmiger Oberkörper, nur kleiner. Er ist der Hotelmanager, der Herr über eine schwimmende Kleinstadt mit 955 Kabinen für 1 900 Gäste, vier Restaurants, elf Bars, Theatern, Pools, der Herr über 800 Mann Personal.

Die "MS Noordam" ist eines von zwei Kreuzfahrtschiffen, die im kommenden Sommer als schwimmende Luxushotels für 19 WM-Spiele in den Häfen von Kapstadt, Durban und Port Elizabeth ankern sollen. Gumz' Projekt spielt keine unwichtige Rolle bei der Frage, wie das erste globale Superfest in Afrika gelingt.

Südafrika hat zu wenige Hotels, etwa 15 000 Schlafplätze fehlen, vor allem solche mit vier oder fünf Sternen. Mit den Schiffen will die Münchner Eventagentur Moltke Promotion Wohlhabenden und Firmen bieten, was sie für ein solches Ereignis verlangen: eine exklusive Unterkunft mit Geschäftsräumen. Einen Ort, um Kunden zu verwöhnen.

Der Weltfußballverband Fifa, der oft wie der Eigentümer des Produkts WM auftritt, war anfangs nicht begeistert. Vor einigen Monaten aber deutete Fifa-Präsident Joseph Blatter die Idee aus München zur glücklichen Fügung um. Sie verhindere, dass teure Hotels gebaut würden, die bald niemand mehr brauche.

In einem Büro in der Münchener Innenstadt steht ein Mann, pausbäckig, vor einer Leinwand, auf der er einer Handvoll Mitarbeitern Fotos und Lagepläne von drei Hafenanlagen zeigt. Werner von Moltke macht ein zufriedenes Gesicht. "Wir haben rechtzeitig angefangen", sagt er. Sein Tonfall sagt, das zahle sich nun aus.

Moltke hat sein Vorhaben "One Ocean Club" getauft, einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag hat er investiert. Es soll sich rechnen. An ihm lässt sich gut beobachten, was Unternehmen in Afrika richtig und was sie falsch machen können.

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