Woolworth
Vermieter rettet Warenhauskette

Die Überlebenschancen von Woolworth steigen: Hausbesitzer Cerberus kommt der insolventen Billigwarenhauskette überraschend entgegen. Wegen der Kaufhauskrise schrauben auch anderswo Vermieter ihre Forderungen zurück.
  • 1

DÜSSELDORF. Wie Insolvenzverwalter Ottmar Hermann am Mittwoch im Gläubigerausschuss des Frankfurter Filialunternehmens erklärte, sei es am Dienstag buchstäblich in letzter Minute zu einer grundsätzlichen Einigung mit dem Vermieter Cerberus gekommen. Der US-Investor, dem 82 der insgesamt 160 Standorte gehören, habe sich zu einem Entgegenkommen bereiterklärt und damit die Grundlage für ein profitables Unternehmen geschaffen. Die Suche nach einem neuen Investor für Woolworth werde nun beginnen.

Vor zwei Wochen hatte es für Woolworth und seine 4 500 Mitarbeiter noch deutlich schlechter ausgesehen. Falls sich Cerberus stur stelle, hatte Hermann gedroht, werde man den Betrieb im März schließen. Angesichts der Mietzahlungen sei ein stabiler Business-Plan für Woolworth unmöglich, die Aussicht auf genügend Rendite damit gering.

Wie es in Verhandlungskreisen heißt, gibt es zwar vereinbarte Eckdaten, jedoch lediglich eine Absichtserklärung (Letter of Intent). Am eigentlichen Vertrag werde noch gearbeitet; möglichst bis zum Jahresende sollen die langfristigen Konditionen für das Gesamtpaket der Standorte exakt vereinbart werden.

Bei Cerberus wollte man sich dazu offiziell nicht äußern. "Die Verhandlungen sind auf einem guten Weg", hieß es in Kreisen der Finanzfirma. Gleichzeitig erfuhr das Handelsblatt jedoch, dass Cerberus vor der endgültigen Unterschrift das Weiterführungskonzept des Insolvenzverwalters noch einmal durch ein Gutachten prüfen lassen will.

Gerade noch rechtzeitig

Für den Insolvenzverwalter aber reicht offenbar schon die vorläufige Zusage, um den Betrieb bis auf weiteres aufrechtzuerhalten. Ursprünglich wollte Hermann die Bestellungen für die Frühjahrs- und Sommersaison erst dann freigeben, wenn das Fortbestehen von Woolworth über den 31. März 2010 hinaus gesichert erschien. Im Vertrauen auf Cerberus aber hat er nun auf eigenes Risiko die Lieferantenverträge unterschrieben. Da die Orderfrist Mitte November auslief, hätte er ansonsten im Frühjahr ohne Ware dagestanden.

Das Kaufhaus-Sterben im deutschen Einzelhandel zwingt damit erstmals einen großen Immobilien-Finanzinvestor zu weitreichenden Zugeständnissen. Die angekündigten Umbauten und Mietanpassungen, mit denen Cerberus Woolworth unter die Arme zu greifen will, werten Wettbewerber als Zeichen, dass dem US-Investor die Suche nach einem neuen Vermieter für die 82 Standorte als zu riskant erschien.

In der Branche ist dies kein Einzelfall. Das sich eintrübende Einzelhandelsklima und vor allem die Krise der Innenstadthändler mit Großflächen zwingt die Kaufhausvermieter seit einigen Wochen zum Umdenken. Viele von ihnen - darunter auch Cerberus - hatten in den vergangenen Jahren Einzelhändlern die Immobilienbestände zu überhöhten Preisen abgekauft, um sie dann zu horrenden Konditionen zurückzuvermieten. Viele Kaufhausbetreiber bezahlten also kurzfristige Sondererträge anschließend mit überbordenden Mietbelastungen. Manche wurden so am Ende in die Insolvenz getrieben. Statt von den bisherigen Forderungen abzurücken, um den Altmieter zu behalten, begaben sich die Immobilienerwerber in solchen Fällen lieber auf die Suche nach neuen Pächtern. Noch im Frühjahr nahm so der britische Finanzinvestor Dawnay Day das Aus seiner einstigen Tochter Hertie in Kauf, um mit neuen Mietern die angepeilten Einkünfte zu retten. Auch beim insolventen Textilkaufhaus Sinn-Leffers, das insbesondere hohe Mietforderungen in die Pleite getrieben hatten, klagte Insolvenzverwalter Horst Piepenburg öffentlich über "ernüchternde Verhandlungen" mit den Hauseigentümern.

Seite 1:

Vermieter rettet Warenhauskette

Seite 2:

Kommentare zu " Woolworth: Vermieter rettet Warenhauskette"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist genau das Resultat was ich schon immer gesagt habe, die Vermieter und die Finanzfirmen das sind die zusätzlichen Ausbeuter und Totengräber einer jeden sozialisierten Gesellschaft, praktisch hat die Völkerwanderung nie aufgehört.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%