WPP steigert Umsatz
Fußball und Brexit helfen dem Werberiesen

Brexit-Sorgen? Der Werbegigant WPP verdient dank des schwachen Pfund prächtig. Doch für Konzernchef Martin Sorrell, einer der Top-Verdiener in Europa, könnte das Votum trotzdem Folgen haben.

LondonWPP ist der größte Werbekonzern der Welt: Zu der Gruppe mit Sitz in London gehören Agenturen wie Ogilvy, Grey, Scholz & Friends, aber auch Marktforschungsunternehmen wie TNS oder Kantar. In den vergangenen Jahrzehnten hat WPP-Chef Sir Martin Sorrell – im Jahr 2000 wurde der heute 71-Jährige von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand gehoben – den Konzern immer weiter vergrößert, immer mehr Firmen geschluckt.

Doch ein Zukauf sorgt nun für eine böse Überraschung in der Halbjahresbilanz: Üppige 83 Millionen Pfund (umgerechnet 97 Millionen Euro) mussten auf den Wert der amerikanischen Internet-Marktforschungsfirma Comscore abgeschrieben werden. Die Firma hat keine Ergebnisse für 2015 veröffentlicht, weil ein interner Untersuchungsausschuss die Bücher durchforsten muss. Der Aktienkurs stürzte daraufhin ab. Und WPP ist nach eigener Aussage „verwundert, warum die Untersuchung so lange dauert, noch nicht abgeschlossen ist und sich als so teuer erweist“.

Der Gewinn des Werberiesen halbierte sich nicht zuletzt wegen dieser heftigen Abschreibung: 282 Millionen Pfund lautete das Ergebnis nach Steuern für das erste Halbjahr 2016 – ein Jahr zuvor waren es noch 601 Millionen Pfund gewesen. Dabei laufen die Geschäfte von WPP eigentlich sehr gut: Der Umsatz stieg um knapp zwölf Prozent auf 6,5 Milliarden Pfund, der bereinigte Gewinn kletterte um 15 Prozent auf 769 Millionen. Diese Zahlen sind sogar besser als von Analysten erwartet, die WPP-Aktie legte in London kräftig zu.

Vor der Fußball-Europameisterschaft in diesem Sommer hatten viele Kunden des Konzerns noch Werbung in Auftrag gegeben – und sogar der Brexit erwies sich als positiv. Denn nachdem das Pfund Sterling im Zuge des Referendums deutlich fiel, machte WPP mit der Umrechnung der Erträge aus Europa Gewinn. Vielleicht versöhnt das WPP-Chef Sorrell etwas, denn der hatte sich enttäuscht über den überraschenden Ausgang des Referendums gezeigt.

Ein „Desaster“ sei die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, hatte er kürzlich in einem Zeitungsinterview erklärt. Seine Großeltern waren einst aus Osteuropa nach Großbritannien eingewandert und Sorrell hatte sich für „Remain“ engagiert. Als Konsequenz des Referendums – bei dem rund 72,2 Prozent zur Wahl gegangen waren, von denen rund 51,9 Prozent für den Brexit gestimmt hatten – machte Sorrell sich für die Einführung einer allgemeinen Wahlpflicht stark. „Jeder sollte wählen müssen“, sagte er der „FAZ“, „wenn jemand nicht wählen geht, sollte er bestraft werden.“

Für ihn persönlich hat der Brexit möglicherweise weitergehende Folgen: Theresa May, die im Zuge des Referendums zur Premierministerin des Landes gewählt wurde, will gegen überhöhte Managergehälter vorgehen. Bei diesem Thema denken viele an Sorrell: Seit Jahren gehört er zu den Spitzenverdienern in ganz Europa.

Im vergangenen Jahr erhielt Sorrell, der seit fast 30 Jahren Chef den von ihm gegründeten Werbekonzern führt und mit gut 1,5 Prozent an ihm beteiligt ist, mehr als 70 Millionen Pfund - rund 82 Millionen Euro. Selbst der deutsche Spitzenreiter, Daimler-Chef Dieter Zetsche, verdient mit rund 14 Millionen Euro nicht annähernd so viel. Die anderen Chefs der börsennotierten Unternehmen im britischen Leitindex FTSE100 kommen auf durchschnittlich 5,5 Millionen Pfund (rund 6,4 Millionen Euro).

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