Wurden Bankdaten schon im Jahr 2000 überprüft?
Neuer Spähverdacht bei der Bahn

Die Spitzelaffäre der Deutschen Bahn bedroht die Position von Bahnchef Hartmut Mehdorn. Nun musste der Konzern einräumen, dass es einen weiteren Verdacht auf Missbrauch mit Bankdaten gebe. Der Fall stützt sich auf Recherchen des Handelsblatts.

dhs/ek/iw BERLIN/DÜSSELDORF. Für Mehdorn kommen die neuen Verdachtsmomente äußerst ungelegen, denn in der Politik und bei den Gewerkschaften wächst die Kritik. So äußerte sich am Montag erstmals auch das Bundeskanzleramt kritisch zur Affäre. "Die Kanzlerin stützt ausdrücklich den Kurs des Verkehrsministers in dieser Frage", sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Tiefensee hatte Mehdorns Verhalten in der Affäre um die Datenkontrolle bei 170 000 Mitarbeitern hart kritisiert: "Das hat nichts mit guter Unternehmenskultur zu tun." Mehdorn wiederum hatte gekontert und den Minister als nicht zuständig bezeichnet.

Die Bahn hatte am Montag eingeräumt, einem weiteren möglichen Verstoß aus dem Jahr 2000 nachzugehen. Dabei geht es um einen Fall, bei dem das Kölner Sicherheitsunternehmen Argen GmbH eingeschaltet worden war. Anlass war damals, dass Mitarbeiter die Bahntochter DB Regio durch Aufträge für ein Marketingprojekt in Millionenhöhe geschädigt haben sollen. Die Überprüfung, die vergangene Woche durch eine Anfrage des Handelsblatts ausgelöst worden sei, werde mit Hochdruck fortgeführt, erklärte die Bahn. "Sollte sich der Verdacht bestätigen, werden wir Konsequenzen ziehen", sagte Mehdorn.

Unternehmenskreise sehen darin den Versuch des Bahnchefs, die Flucht nach vorne zu wagen. Denn nicht nur in der Politik, auch auf Arbeitnehmerseite wächst die Kritik an der Informationspolitik der Bahn. So verlangte die Gewerkschaft Transnet von Mehdorn eine Entschuldigung und forderte zudem eine Sondersitzung des Aufsichtsrats.

Eine schnelle Ablösung Mehdorns gilt aber als schwierig. Denn theoretisch käme ein Wechsel eher der SPD entgegen, die im Verkehrsministerium amtiert und entschlossenes Vorgehen beweisen könnte. Genau dies aber sei nicht im Sinne der Kanzlerin. Sie werde daher versuchen, den Wechsel vor der Bundestagswahl im Herbst zu verhindern, hieß es in CDU-Kreisen.

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