"Zahl der Berater verdoppeln"
Roland-Berger-Chef redet sich das Scheitern schön

Roland-Berger-Chef Wittig redet über den geplatzten Zusammenschluss mit Deloitte wie über einen Erfolg. Die Münchener Unternehmensberater wollen nun investieren und die Zahl der Berater nahezu verdoppeln. Externe Beobachter machen sich dagegen über das Scheitern lustig.
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MÜNCHEN, DÜSSELDORF, BERLIN. Sieg und Niederlage – für Martin Wittig liegen sie eng beieinander. Was vorgestern noch eine Niederlage war, sah für den Roland-Berger-Chef am Montagmorgen schon wie ein Sieg aus, den es zu feiern galt. So jedenfalls empfanden es die gut zwei Dutzend Berater, die dem Chef beim sogenannten Town-Hall-Meeting in der Züricher Dependance zuhörten, von der aus er die Beratergruppe führt.

Dabei galt Wittig als einer derjenigen, die einen Zusammenschluss des Strategieberaters mit dem ungleich größeren US-Konkurrenten Deloitte befürwortet hatten. Doch am Ende stimmte die überwältigende Mehrheit der Partner am vergangenen Samstag überraschend gegen den Deal, den Wittig zusammen mit Aufsichtsratschef Burkhard Schwenker sorgfältig vorbereitet hatte.

Zwei renommierte Beratungsgesellschaften haben damit vor aller Öffentlichkeit demonstriert, wie man ein Merger-Projekt wohl besser nicht angeht. „Die ganze Branche lacht“, sagte ein ehemaliger Roland-Berger-Berater gestern süffisant. Zurückgeblieben ist ein Scherbenhaufen – für die Unternehmensberatung Roland Berger wie für die gesamte Szene.

Doch die Scherben bringen Wittig offenbar Glück. Zwei Tage nach der Schlappe findet er das Abstimmungsergebnis „sensationell“. Schließlich wollen die Partner nun selbst kräftig investieren. Eigentlich, so lautet Wittigs Botschaft jetzt, sind wir lieber allein. Dass die Fusionspläne detailliert ausgearbeitet waren und angeblich ein Millionenbetrag für die Prüfung der Bücher ausgegeben wurde, bleibt lieber außen vor. Stattdessen zeigt Wittig mit dem Finger auf Deloitte: „Wir waren nicht aktiv auf Partnersuche, man hat uns angesprochen“, sagt Wittig. Und wiegelt ab: Berger habe die Offerte prüfen müssen. Zugleich habe man parallel immer auch eine Stand-alone-Lösung verfolgt.

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  • Aha, von Zürich aus wird der Kloppertrupp geleitet.
    Na dann...Steuern sparen und Schwarzgeldkonten verwalten olé!

  • Das Problem sind nicht die Unternehmensberater selber, sondern die Unternehmen die diese verpflichten. Denn in aller Regel könnten die Themen auch von den eingenen Mitarbeitern erledigt werden. Dazu benötigte man allerdings "echte" Führungskräfte die die entsprechenden Prozesse hautnah mit konzipieren, validieren und umsetzten. Vielleicht enstehen dabei nicht ganz so schöne "Power-Point-Schlachten", aber das Ergebnis wäre effizienter und vor allen Dingen billiger.

  • Recht so Frau Steer, die gerade von berger in die strategische Sackgasse berate-
    nen Kunden sollen Regimenter anzahlmäßig gewesen sein. Auf alle Fälle, wer
    mit seinen eigenen strategischen Plänen derartig Schiffbruch erleidet, sollte
    sein Know How auf diesem Gebiet nicht gegen Geld Dritten zu verkaufen versuchen

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