Zahlungsausfälle: Zusatzbeitrag wird für Kassen zum Finanzrisiko

Zahlungsausfälle
Zusatzbeitrag wird für Kassen zum Finanzrisiko

Die Erhebung von Zusatzbeiträgen wird zum Inkassorisiko für die Krankenkassen. Nach aktuellen Daten der DAK, die dem Handelsblatt vorliegen, zahlten dort bislang 36 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld I den seit Februar erhobenen Zusatzbeitrag von acht Euro nicht.
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BERLIN/DÜSSELDORF. Die Erhebung von Zusatzbeiträgen wird zum Inkassorisiko für die Krankenkassen. Nach aktuellen Daten der DAK, die dem Handelsblatt vorliegen, zahlten dort bislang 36 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld I den seit Februar erhobenen Zusatzbeitrag von acht Euro nicht. Bei den Beziehern von Hartz IV lag die Ausfallquote bei 56 Prozent. Selbst von den normalen Einkommensbeziehern verweigerte sich jeder Zehnte. Ändert sich an dieser Zahlungsmoral nichts, droht den Kassen ein Fiasko, wenn sie voraussichtlich ab 2012 flächendeckend Zusatzbeiträge erheben müssen.

Nach überschlägigen Berechnungen drohen dann bei acht Euro Zusatzbeitrag Beitragsausfälle von einer halben Milliarde Euro pro Jahr. Dabei sind die Hartz-IV-Empfänger nicht berücksichtigt, die künftig vom Zusatzbeitrag befreit werden. Das geplante Strafgeld von 30 Euro für säumige Zahler werde daran wenig ändern. „Wer den Zusatzbeitrag nicht zahlen will, wird sich davon nicht abschrecken lassen“, sagte ein Kassenvertreter.

Nach Ansicht der Bundesbank entwickeln sich die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung allerdings derzeit besser als erwartet. Der Ausgabenzuwachs habe sich verlangsamt, heißt es im neuen Monatsbericht der Bundesbank. Das Defizit auf der Kassenebene werde infolgedessen geringer ausfallen. Gleichzeitig werde der Gesundheitsfonds wegen der im Zuge der Konjunkturerholung gestiegenen Beitragseinnahmen „einen deutlichen Überschuss erzielen“. Für das Gesamtsystem sei nun ein Überschuss in diesem Jahr „nicht ausgeschlossen“, so die Bundesbanker. Damit falle das Etatloch auch kommendes Jahr kleiner aus.

Die Prognose der Bundesbank steht allerdings in krassem Widerspruch nicht nur zu den Erwartungen der Kassen, sondern auch zur Einschätzung der Bundesregierung. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) kalkuliert dieses Jahr mit 3,1 Mrd. Euro Kassendefizit. Für 2011 erwartet er gar einen Fehlbetrag von zehn Mrd. Euro. Dieser soll im Wesentlichen durch eine Beitragserhöhung, Einsparungen bei Medikamenten und eine Erhöhung des Bundeszuschusses ausgeglichen werden.

Kommentare zu " Zahlungsausfälle: Zusatzbeitrag wird für Kassen zum Finanzrisiko"

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  • tja. anstatt gegen die atomlobby zu wettern sollte die spd endlich mal wirklich wichtige themen heranziehen und mal hier mher streiks anzetteln. aber ach oh weh. die spd hats ja auch nicht besser gemacht......

  • ich habs dir ja gesagt lieber DAK Vertreter, entweder verzichtest du auf meinen Zusatzbeitrag oder ich gehe. Jetzt bin ich weg, hoffe es hat sich gelohnt :-)

    Griechenland machts vor, das defizit sollte lieber an den Ausgaben der Kassen gesenkt werden (Verwaltungsaufwand, überhöhte Gehälter) und nicht die Einnahmen beim Kunden erhöhen. DAK hat doch jetzt sicherlich 1 Mio weniger Kunden, dann können ja auch einige Köpfe rollen. Entweder man restrukturiert sich oder man geht unter. Hoffe nur die DAK u.a. entwickeln sich nicht zur nächsten HRE.

    Es sollte auch eine Abschreckung für alle anderen Kassen sein, die Planen 2011 den Zusatzbeitrag zu erheben. Überleben wird wohl die Kasse die dies nicht tut^^

  • Wenn Minister Rössler uns nicht dauernd Angst um die Kassen einjagen würde, könnte er ja seine Politik zu Gunsten der Absahner im System nicht durchbringen.
    Seit Jahren wird stümperhaft am maroden System herumgedoktert, anstatt eine nachhaltige Systemänderung vorzunehmen. Seit der Wiedervereinigung das achte Reförmchen, wenn es überhaupt eines ist, deutet doch auf den Aberwitz hin. Deutlicher geht es nicht.
    Wir müssen weg vom intransparenten Punktesystem, das allen nützt, nur dem Patienten, beitragszahler nicht. - Warum keine Zahlung beim behandelnden Arzt und dann ab an die eigene Krankenkasse, eine der wenigen, die überlebt. - Auch das einzige Mittel gegen eine Vielzahl von Fällen der Korruption.

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