Zalando Die Wachstumsstory stimmt

Onlinehändler Zalando bestätigt die Hinweise auf solide Ergebnisse im ersten Halbjahr. Ein massiver Ausbau der Logistik soll neue Partner aus der Modebranche locken und so im Kampf gegen Amazon die Zukunft sichern.
Update: 10.08.2017 - 09:48 Uhr 2 Kommentare
Mit einer Plattformstrategie will der Onlinehändler das Angebot für die Kunden deutlich ausbauen. Quelle: Reuters
Schuhe von Zalando

Mit einer Plattformstrategie will der Onlinehändler das Angebot für die Kunden deutlich ausbauen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEs war ein Rätsel. Vor zwei Wochen gab der Onlinehändler Zalando erste Hinweise auf seine Bilanz des ersten Halbjahrs. Es waren Zahlen, über die sich viele Unternehmer gefreut hätten: ein Umsatzwachstum von rund 20 Prozent bei soliden Gewinnen. Und doch ließen die Anleger den Aktienkurs abstürzen.

Die jetzt vorgelegten endgültigen Ergebnisse nach zwei Quartalen bestätigen, was viele Analysten in der Zwischenzeit geschrieben haben: Die Wachstumsstory von Zalando ist intakt. Das Unternehmen will sogar noch weiter zulegen: Nach einem Umsatzsatzwachstum von 21,5 Prozent im ersten Halbjahr prognostiziert der Händler für das Gesamtjahr eine Steigerung in der oberen Hälfte einer Spanne von 20 bis 25 Prozent. Bis zum Jahr 2020 will Zalando seinen Umsatz sogar verdoppeln.

„Unsere Jahresprognose unterstreicht unseren Fokus auf Wachstum bei gleichzeitig solider Profitabilität“, sagte Co-Chef Rubin Ritter. In der Tat gibt die Bezeichnung „solide Profitabilität“ den Hinweis auf den einzigen wunden Punkt in der Bilanz. Hatte die Ergebnismarge (Ebit) im zweiten Halbjahr 2016 noch bei 8,8 Prozent gelegen, erwartet Zalando für dieses Jahr nur noch eine Spanne von fünf bis sechs Prozent.

Ein Grund dafür sind jedoch die massiven Investitionen in die Logistik, mit denen Zalando seine Zukunft absichern will. So sind zwei neue Logistikzentren in Polen und Italien geplant. Zalando verfügt bereits über ähnliche Standorte in Erfurt, Mönchengladbach und Lahr. In Gryfino in Polen wird im dritten Quartal 2017 ein weiterer in Betrieb genommen. Ergänzt werden die Hauptstandorte durch einen kleineren Logistikstandort in Brieselang bei Berlin, sowie lokale Logistikzentren in Stradella bei Mailand, Moissy-Cramayel bei Paris und zum Jahresende auch in Brunna bei Stockholm.

„Es ist Teil unserer DNA, laufend Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren, neue Ideen auszuprobieren und diese schnell auszubauen“, sagt Co-Chef Ritter. Und das gilt nicht nur für die Logistik. So hat Zalando vor kurzem den Basketballspezialisten Kickz übernommen, der nicht nur über eine starke Marke im Onlinehandel hat, sondern auch über mehrere stationäre Geschäfte verfügt.

Außerdem baut sich der Händler immer mehr zur Plattform aus, auf der Modemarken ihre Waren verkaufen können. Neu im Partnerprogramm ist beispielsweise die Turnschuhmarke Nike. Als jüngste Erweiterung bietet Zalando den Partnern seine Logistik für die Lieferung an die Kunden an, ein Service, mit dem auch Amazon schon gute Geschäfte macht. In die Plattformstrategie passt auch eine jüngste Übernahme: So hat Zalando das Unternehmen Anatwine übernommen, das Softwarelösungen entwickelt, mit denen Modemarken ihre Warenbestände auf Online-Marktplätzen integrieren können.

Was wird die nächste Rakete von Rocket Internet?
Hello Fresh
1 von 10

Rezepte aussuchen, passende Lebensmittel in der richtigen Menge liefern lassen und anschließend Kochen – so bequem soll die Zubereitung sein. Zumindest wenn man der Beschreibung von Hello Fresh glauben darf. Gerade Kunden in den USA und Großbritannien haben den Service für sich entdeckt. Das Ergebnis: Mit einem Umsatzwachstum von 159 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehört Hello Fresh zu den wirklich schnellen Raketen im Rocket-Reich. Allerdings stieg auch der Verlust – von minus 21 auf minus 45 Millionen Euro, was Rocket Internet mit dem hohen Wachstum und dem Einstieg in neue Märkte begründet.

Foodpanda
2 von 10

m Foodpanda ist eine Essenslieferplattform für die Entwicklungs- und Schwellenländer, aktiv vor allem in den Balkanländern und in Südostasien. In Ländern wie Bangladesch und Kasachstan hat Rocket Internet eine echte Vorreiterrolle inne – allerdings sind hier auch die Warenkörbe kleiner als im reichen Westen. Foodpanda kassiert aber lediglich eine kleine Provision von den Restaurants, die das bestellte Essen an die Kunden ausliefern. Die Rocket-Beteilung steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent auf 22 Millionen Euro.

Namshi
3 von 10

Namshi ist der erste einer Reihe seltsam klingender Unternehmensnamen, die alle eines gemeinsam haben: Sie kopieren die Idee von Zalando, Mode im Internet zu verkauf. Dabei operieren sie aber vor allem in Schwellenländern. Rocket Internet fasst sie als „Global Fashion Group” zusammen. Namshi ist im Nahen Osten aktiv und zur Zeit das High-Light der ganzen Gruppe: Als einziges Start-up aus dem Kosmos der großen Rocket-Beteiligungen konnte Namshi in den ersten sechs Monaten des Jahres ein positives Ergebnis (Ebitda) von immerhin 1,6 Millionen Euro auf sich verbuchen – bei einem respektablen Umsatzwachstum von knapp über 50 Prozent zum Vorjahr. Namshi könnte eine der drei Beteiligungen werden, die Rocket-Chef Oliver Samwer bis Ende 2017 profitabel haben möchte.

Dafiti
4 von 10

Dafiti ist ein Modehändler in Lateinamerika nach dem Vorbild von Zalando, angesiedelt in Brasilien. Das Unternehmen gehört zur Global Fashion Group, in der Rocket Internet seine Zalando-Klone bündelt. Der Umsatz von Dafiti stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 22 Prozent auf 136 Millionen Euro. Laut Finanzchef Peter Kimpel wäre das Wachstum noch beeindruckender, könnte man es in der brasilianischen Landeswährung darstellen. Rocket Internet ist aber an der deutschen Börse notiert. Und die interessiert sich auch für die Verluste: Die betrugen bei Dafiti noch minus 13 Millionen Euro – eine deutliche Verbesserung immerhin zu den minus 41 Millionen im ersten Halbjahr 2015.

Zalora
5 von 10

Die Australier sind digitalen Geschäftsideen traditionell ziemlich aufgeschlossen. So ist es kein Wunder, dass der Modehändler Zalora, der den südostasiatischen Markt bedient, zu dem aber auch der australische Zalando-Klon „The Iconic” gehört, immer noch beeindruckende Wachstumsraten aufweist. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 32 Prozent auf 126 Millionen Euro. Die Kosten muss der Laden aber noch in den Griff bekommen. Der Verlust ist zwar nicht mehr ganz so hoch wie noch vor einem Jahr; mit einem Minus von 32 Millionen Euro steckt Zalora aber immer noch tief in den roten Zahlen. Rocket Internet braucht eine neue Rakete, um Fehlstarts wie diese auszugleichen.

Lamoda
6 von 10

Online-Shopping in Russland funktioniert etwas anders als in Deutschland – nicht nur, weil die Staatspost zwischen Sibirien und dem schwarzen Meer nicht gerade schnell ist. Lamoda, das russische Zalando, beschäftigt eigene Kurierfahrer, die zum Teil vor dem Haus warten, bis die Kundin die Klamotten anprobiert und aussortiert hat. Manchmal nehmen die Fahrer auch Bargeld entgegen, weil die Russen nicht gerne online zahlen. Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass Lamoda seine Kosten senken und den Verlust in den vergangenen zwölf Monaten von 17 auf minus sieben Millionen Euro verringern konnte. Der Umsatz stieg immerhin noch um 15 Prozent auf 125 Millionen Euro.

Jumia
7 von 10

Afrika ist für die meisten deutschen Unternehmen noch immer ein Kontinent, in dem man Hilfsprojekte gründet, aber keine Geschäfte macht. Nicht für Rocket Internet. Unter dem Namen Jumia verkaufen die Berliner von Lagos in Nigeria aus Mode und Elektroartikel über das Internet und Smartphone. Das läuft nicht immer glatt – im vergangenen Jahr musste Jumia auf einen Schlag ein Drittel seiner Angestellten entlassen. Jetzt wird umgestellt, vom reinen Online-Handel zu einem Marktplatzmodell, bei dem die Plattform lediglich an der Provision verdient. Entsprechend fielen die Umsätze des ersten Halbjahrs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 56 Prozent.

Mit diesen Änderungen will Zalando dem Angriff von Amazon begegnen. Denn der weltgrößte Onlinehändler expandiert stark im Bereich Mode und entwickelt dort nicht nur eigene Marken, sondern bietet auch neue Services. So gibt es seit kurzem „Prime Wardrobe“, bei dem sich Kunden Klamotten zur Ansicht schicken lassen und dann kostenlos zurückgeben können.

„Wir sehen keinen Effekt von Amazon auf unsere Zahlen“, sagte Co-CEO Ritter. Im Onlinehandel gebe es so viel Wachstum, da sei Platz für mehrere große Anbieter. „Außerdem haben wir so viel innovative Stärke, dass wir die Kunden überzeugen können, bei uns zu kaufen und nicht bei Amazon“, betont der Zalando-Chef selbstbewusst.

Nicht zuletzt durch die Plattformstrategie erweitert Zalando sein Angebot und will so für Kunden attraktiver werden. Das scheint zu funktionieren. So stieg im zweiten Quartal die Zahl der aktiven Kunden im Vergleich zum Vorquartal um 800.000 auf 21,2 Millionen an. Das ist der stärkste Zuwachs in einem Quartal seit dem vierten Quartal 2015. Auch das ist ein Zeichen, dass die Wachstumsstory weitergehen dürfte.

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2 Kommentare zu "Zalando: Die Wachstumsstory stimmt"

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  • Da muss ich Ihnen recht geben, das könnte in der Tat in Zukunft zum Flaschenhals werden. Genau weil sie davor Angst haben, experimentieren ja viele Onlinehändler mit autonomer Zustellung wie Drohne oder Lieferroboter. Doch das dürfte das Problem nicht lösen.

  • Hm, liest sich ja toll. Aber haben die da nicht eine "Kleinigkeit" vergessen !?
    Den "Flaschenhals" Anlieferung des "Wachstums" :-)
    Ist ja toll, das Zalando, Amazon und co so tolle Ideen haben wie man noch mehr Waren immer schneller an den Mann bzw ( Hauptsächlich ) an die Frau bringen will.
    Und das wenn es geht so billig als möglich.
    Die gesamte "Paketlieferungs logistik" arbeitet doch jetzt schon am oberen Anschlag.
    Personal wird dafür quasi gar nicht mehr gefunden, gutes schon gar nicht. Nicht einmal UPS , die bekanntlich nicht schlecht zahlen findet noch gut geeignetes Personal.
    Nun frage ich mich, wie wollen Zalando, Amazon und co dieses "Problem" lösen ?
    Einen eigenen Lieferdienst erschaffen ( Amazon ) .. das entlockt mir ein müdes lächeln.
    Davon ausgehend, wie Amazon mit seinem Personal umgeht und was diese Zahlen... würde das heißen, das Amazon seinen Paketfahrern deutlich mehr Zahlen müsste und angenehmere Arbeitsbedingungen schaffen müsste als das die Konkurrenten tun, um am Markt eine Chance auf das knappe Fahrpersonal zu haben. Wer bitte möchte daran glauben :-) . Ich denke das Amazon dort ähnlich wie Hermes auf Subunternehmer setzen wird, die dann Personal einstellen aus Bulgarien, Rumänien ect.
    Also, hat jemand eine Lösung ? Welche die "Wachstums" Phantasien des Onlinehandels untermauern könnten ?

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