Zalando: Wie lange geht die Erfolgsstory noch weiter?

Zalando
Wie lange geht die Erfolgsstory noch weiter?

Zalando wächst – aber wie lange noch? Der Onlinehändler machte mehr Gewinn als von Analysten erwartet. Kritiker hegen dennoch Zweifel, ob die Erfolgsstory noch lange so weitergeht – vor allem mit Amazon als Konkurrenten.

BerlinEs gab eine Zeit, gerade mal acht Jahre ist das her, da hat kaum ein Mensch geglaubt, dass die Menschen ihre Klamotten im Internet kaufen würden, ohne Spiegel und Umkleidekabine. Tja, sie tun es. Zalando, das Start-up, das damals von den alteingesessenen Modehändlern so belächelt wurde, ist heute ein MDax-Konzern – mit über 11.000 Mitarbeitern und knapp 20 Millionen aktiven Kunden.

Und ein Ende des Wachstums ist vorerst nicht in Sicht. Im dritten Quartal stieg der Umsatz erneut um 17 Prozent auf knapp 835 Millionen Euro. Auch der Gewinn stieg deutlich. In der Bilanz des dritten Quartals 2016 steht ein positives Ebit von 12,7 Millionen Euro – nach einem Verlust von 27,8 Millionen im Vorjahr. Erst kürzlich hat der Konzern die die Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben.

Kritiker haben dennoch Zweifel, ob die Erfolgsstory noch lange so weitergehen kann. UBS-Analyst Adam Cochrane etwa warnte seine Kunden kürzlich vor der wachsenden Konkurrenz durch Amazon. Tatsächlich investiert der wesentlich größere US-Konzern mehr und mehr in den Verkauf von Klamotten, seit diesem Jahr gibt es sogar eigene Amazon-Modemarken.

Um die angestrebten Wachstumsraten von rund 25 Prozent im Jahr aufrechterhalten zu können, müsse Zalando deutlich mehr Geld ins Marketing stecken, als bisher, befürchtet der Experte. Das wiederum würde den Gewinn schmälern. Diese Risiken seien am Markt noch nicht berücksichtigt. Cochrane stufte die Aktie um gleich zwei Stufen von „Buy“ auf „Sell“ herab.

Zalando-Finanzchef Rubin Ritter gibt sich gelassen. „Natürlich hat Amazon eine größere Kundenbasis und ja, sie wollen auch Mode verkaufen“, sagte er im Rahmen einer Telefonkonferenz zur Vorstellung der Quartalszahlen. Die Kundengruppe, die Zalando adressiere, sei aber eine vollkommen andere. „Bei Amazon kaufen die Leute, das was sie brauchen. Von Zalando wollen sie wissen, was gerade in Mode ist“, meint Ritter. Der Gesamtmarkt sei immer noch groß genug, damit alle weiter wachsen könnten, noch immer würden Kunden vom Offline- auf das Online-Shopping umsteigen.

Cochranes Punkt ist dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen. Nahezu jeder Online-Händler kennt das Phänomen, das sie die „GAFA-Ökonomie“ nennen: Die Dominanz großer Plattformen wie Google, Amazon, Facebook und Apple. Es geht heute nicht mehr darum, die Kunden vom Vorteil des Internets zu überzeugen. Es geht darum, sie bei ihrem Eintritt in das Netz abzuholen und direkt auf die eigene Plattform zu locken, anstatt teure Anzeigen bei Google oder Facebook zu schalten oder einen Teil der Marge an die Shops von Amazon oder Apple abzugeben.

Seite 1:

Wie lange geht die Erfolgsstory noch weiter?

Seite 2:

Vom Händler zur Plattform

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%