Zara und H&M als Vorbild Wie der Esprit-Chef wieder junge Kunden locken will

Nach harten Jahren hat der Modehändler Esprit wieder einen kleinen Gewinn ausgewiesen. Mit einer aufregende Kooperation will Konzernchef Martínez nun das Image verjüngen. Doch die Sanierung ist noch lange nicht zu Ende.
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Der Manager hat bei der Esprit-Sanierung noch viel Arbeit vor sich. Quelle: Esprit
José Manuel Martínez

Der Manager hat bei der Esprit-Sanierung noch viel Arbeit vor sich.

(Foto: Esprit)

DüsseldorfJosé Manuel Martínez wählt drastische Worte um die Situation von Esprit zu beschreiben: „Wir haben die Blutung gestoppt und eine Basis gelegt für die Zukunft“, sagt der Vorstandschef des Modehändlers. „Jetzt beginnt eine langsame Erholung.“

Auch wenn Martínez noch vorsichtig bei Prognosen ist – Esprit scheint die Wende zu schaffen. Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr sind sogar etwas besser als ursprünglich geplant. So konnte das in Hongkong notierte Unternehmen unter dem Strich sogar wieder einen kleinen Gewinn in Höhe von 21 Millionen Hongkong-Dollar (2,4 Millionen Euro) ausweisen.

Von echter Profitabilität aber ist die Modegruppe noch weit entfernt. Denn selbst der kleine Gewinn kam nur durch außerordentliche Erträge wie den Verkauf des Hongkonger Bürogebäudes und Steuererstattungen zustande. Operativ stand immer noch ein Verlust von umgerechnet knapp 69 Millionen Euro für das Ende abgeschlossene Geschäftsjahr zu Buche.

Der Umsatz ging leicht zurück auf umgerechnet 2,05 Milliarden Euro. Dabei muss man aber auch berücksichtigen, dass Esprit die Verkaufsfläche im gleichen Zeitraum um 13 Prozent verringert hat. So wurden erneut 66 unrentable Läden geschlossen, davon zehn in Deutschland.

Das sind Europas größte Modekonzerne
Platz 10: Calzedonia
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Die Fachzeitschrift „TextilWirtschaft“ untersucht jedes Jahr die Umsätze der größten europäischen Bekleidungshersteller. Die Analyse zeigt: Der Markt steht vor großen Herausforderungen. Zwar konnten die meisten Konzerne wie zum Beispiel Calzedonia wachsen, doch die Krise in Russland und der Ukraine dürfte sich früher oder später in den Bilanzen niederschlagen.

Umsatz 2013: 1,60 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 1,85 Milliarden Euro
Veränderung: + 15,4 Prozent

Platz 9: Giorgio Armani
2 von 10

1975 gründete Georgio Armani das Modelabel Armani. Mittlerweile gehört der Konzern zu den Größten der Modebranche. Für Armani arbeiten rund 6500 Menschen. Neben Kleidungsstücken vertreibt Armani außerdem Home-Artikel und Parfüms. Seit 2002 verkauft der Konzern auch Konfiserie-Artikel sowie verschiedene Honig- und Marmeladensorten. Acht Jahre später entstand im Burj Khalifa in Dubai das erste Hotel im Armani-Stil.

Umsatz 2013: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,00 Milliarden Euro
Veränderung: + 14,2 Prozent

Platz 8: Esprit
3 von 10

Ehemals etablierte Marken sind zu teuren Restrukturierungen gezwungen. So muss sich Esprit auf die Ansprüche der Kunden im digitalen Zeitalter einstellen, heißt es in der Studie von „TextilWirtschaft“. Auch Gerry Weber ist davon betroffen. Darüber hinaus leiden die Modekonzerne auch unter dem starken Dollar, der die Beschaffung verteuert. Esprit trifft es besonders hart. Bei keinem anderen Modekonzern in den Top-20 ist der Umsatz derart stark geschmolzen.

Umsatz 2013: 2,35 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,10 Milliarden Euro**
Veränderung: - 10,7 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/2015

Platz 7: Kering
4 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnlich Umsätze. 2014 konnte Kering seinen Umsatz um knapp zwölf Prozent erhöhen.

Umsatz 2013: 2,13 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,38 Milliarden Euro
Veränderung: + 11,6 Prozent

Platz 6: Hugo Boss
5 von 10

damDie Edelmarke Hugo Boss ist das zweitgrößte Modeunternehmen Deutschlands. Gegründet wurde es 1924 in Metzingen durch Hugo Ferdinand Boss. Ursprünglich stellte Hugo Boss Berufskleidung her. Unrühmlich ist die Vergangenheit des Konzerns. Im Zweiten Weltkrieg stellte der Konzern die Uniformen für SA, SS und die Wehrmacht her. Dafür wurden unter anderem Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa eingesetzt. Erst nach dem Krieg und dem Tod des Gründers 1948 wurde Hugo Boss zum Modekonzern. Unter der Leitung von Hugo Ferdinand Boss' Schwiegersohn Eugen Holy begann das Unternehmen damit, Herrenanzüge herzustellen.

Umsatz 2013: 2,43 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,57 Milliarden Euro
Veränderung: + 5,8 Prozent

Platz 5: Tommy Hilfiger
6 von 10

Modedesigner Tommy Hilfiger rief 1984 in New York sein eigenes Modelabel ins Leben. Dass der Konzern im Ranking europäischer Modekonzerne gelistet ist, hat er seinem Firmensitz zu verdanken. Tommy Hilfiger sitzt seit 1997 in Amsterdam. 13 Jahre später wurde das Unternehmen durch den US-Konzern Phillips-Van Heusen übernommen.

Umsatz 2013: 2,56 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro*
Veränderung: + 5,3 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/15

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Krieg gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2013: 2,26 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro
Veränderung: + 19,6 Prozent

Der Weg, den Martínez mit Esprit gehen musste, war hart. Bevor er 2012 übernahm, hatten seine Vorgänger durch unkontrollierte Expansion aus einer profitablen Premiummarke ein Mittelklasse-Label gemacht, das in Kaufhäusern verramscht wurde. Im Zuge der Sanierung mussten hunderte Mitarbeiter gehen, dutzende Läden wurden geschlossen.

Das Zauberwort für die Wende ist bei Martínez „Vertikalisierung“. Nach dem Vorbild der erfolgreichen Konkurrenten Zara und H&M organisiert er die gesamte Fertigungskette vom Entwurf bis zum Verkauf der Kleidungsstücke komplett neu. Das Know-how dazu hat er – war Martinez doch zuvor schließlich bei der Zara-Mutter Inditex für Vertrieb und Logistik zuständig.

Cool und begehrt wie in den 80er-Jahren
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