Zeitschriftenverleger
Burda erwartet Werbeaufschwung

Dank der konjunkturellen Erholung und der Fußball-WM erwarten die deutschen Zeitschriftenverleger eine Verbesserung des Werbemarktes. Für die Branche werden die Weichen immer stärker durch die EU-Kommission in Brüssel gestellt.

DÜSSELDORF. „Es gibt im Werbemarkt eine leichte Entspannung“, sagte Verleger Hubert Burda dem Handelsblatt. Der Münchener Medienunternehmer („Focus“, „Bunte“) ist Präsident des Verbandes deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). „Der Großteil der Werbekunden will über starke Medienmarken seine Inhalte transportieren. Das hilft der Zeitschriftenbranche“, sagte der 66-Jährige, der am Donnerstag in Düsseldorf als VDZ-Präsident für weitere drei Jahre bestätigt wurde.

Nach den schwierigen Jahren unterstützt nicht nur die konjunkturelle Erholung die Werbewirtschaft. „Auch die Fußball-WM hat im Printmarkt für einen positiven Effekt gesorgt“, sagt Burda, der seit 1998 den VDZ führt. Auch für die Wirtschaftspresse ist der Verleger zuversichtlich. Denn hauseigene Sorgenkinder wie die Anlegerzeitschrift „Focus Money“ spüren bereits den Aufwind. „Focus Money schreibt schwarze Zahlen“, sagt Burda. Dennoch warnt der Verleger: „Online-Werbung wird weiter zweistellig wachsen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Werbung im Internet die Zeitschriften überholt.“

In den vergangenen vier Jahren litten die Publikumszeitschriften unter einem rückläufigen Reklamemarkt. Nach Angaben des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) sanken die Netto-Werbeerlöse um 2,6 Prozent auf 1,79 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 lag der Netto-Umsatz noch bei 1,93 Mrd. Euro. Die Rezession auf dem Werbemarkt hat Folgen. „Neue Zeitschriften sind immer schwerer im deutschen Markt unterzubringen“, sagt Burda.

Für die deutsche Zeitschriftenbranche werden immer stärker die Weichen durch die EU-Kommission in Brüssel gestellt. Burda verhinderte mit seiner Lobbyarbeit bei der EU über Jahre ein Tabakwerbeverbot. Dadurch sind nach Insiderangaben den Publikumszeitschriften rund 400 Mill. Euro an Werbeeinnahmen zugeflossen. Mittlerweile spielt die Reklame für Zigaretten und Zigarren nur noch eine Nebenrolle. Im vergangenen Jahr nahmen die Publikumszeitschriften bundesweit nur noch 14 Mill. Euro durch die Tabakwerbung ein. Bei Burda waren es nur noch 400 000 Euro. Die Bundesregierung hat gestern einen Gesetzentwurf zum Verbot von Tabakwerbung vorgelegt. Damit ist endgültig für die Zigarettenreklame Schluss.

Trotz der harten Haltung der EU-Kommission ist Burda zuversichtlich. „Ich erwarte keinen weiteren Werbeverbote durch die EU“, sagte der Münchener Verleger gestern. Die jetzige Brüsseler Kommission sei näher an den Märkten dran. Burda macht sich dafür stark, dass auch in Deutschland Arzneimittelhersteller in Anzeigen über ihre Produkte informieren können. „Eine Liberalisierung der Arzneimittelwerbung nützt den Patienten, denn sie können sich in Zeitschriften und im Internet umfangreicher über Medikamente informieren“, sagt Burda.

Unheil droht Burda unterdessen von der russischen Justiz. Nach Agenturberichten will sie zwei Jugendzeitschriften wegen Werbung für erotische Handy-Bilder verbieten lassen. Die Medienaufsichtsbehörde solle den Burda-Zeitschriften „Cool“ und „Cool Girl“ die Lizenz entziehen, verlangte Vizegeneralstaatsanwalt Sergej Fridinski. Die Wochenzeitschrift „Cool“ und das Monatsblatt „Cool Girl“ sind in Russland seit 1997 auf dem Markt und haben eine Auflage von je 200 000 Exemplaren. Burda reagierte gestern gelassen auf die Attacke der russischen Justiz. „Wenn etwas falsch läuft, wird es geändert“, sagte er. Für Burda ist das Engagement auf dem russischen Markt ein Wachstumsmotor. „Russland ist ein großartiger Markt für Zeitschriften“, schwärmt Burda.

Die Hubert Burda Media hatte im vergangenen Jahr ihren Umsatz von 1,43 auf 1,51 Mrd. Euro gesteigert. Vor allem das internationale Verlagsgeschäft legte – neben dem wachsenden Internet- und Direktmarketinggeschäft – um annähernd 16 Prozent auf 299 Mill. Euro zu. Hingegen ist das Zeitschriftengeschäft in Deutschland rückläufig. „Das Stammgeschäft ist rezessiv“, sagte Burda-Vorstandsvize Jürgen Todenhöfer kürzlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%