Zeitungsbericht: Aldi setzt auf Strahlkraft von Markenprodukten

Zeitungsbericht
Aldi setzt auf Strahlkraft von Markenprodukten

Aldi Nord und Aldi Süd wollen offenbar mehr Markenartikel anbieten, um weitere Kunden anzulocken. Bisher sind im Sortiment des Konzerns kaum Markenprodukte zu finden. Auch andere Discounter feilen an ihrem Konzept.
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FrankfurtBillig allein reicht Aldi nicht mehr: Auf der Suche nach neuen Umsatzbringern will der führende Discounter Medienberichten zufolge Markenprodukte von namhaften Herstellern in seine Regale nehmen. Aldi Nord und Aldi Süd führten derzeit intensive Gespräche mit großen Herstellern, berichtete die „Lebensmittel Zeitung“ am Freitag. Bei Aldi Nord könnte das erstmals zur deutlich sichtbaren Präsenz der bislang nur spärlich vertretenen Markenprodukte führen. Bei Aldi Süd ginge es um eine Ausweitung. 

Aldi Nord nimmt nach einem Bericht der „Lebensmittel Praxis“ Produkte von Ferrero ins Regal. Der Listungsvertrag mit dem Lebensmittelhersteller sei in diesem Monat unterzeichnet worden. Dabei geht es dem Bericht zufolge um ein Jahres-Umsatzvolumen von rund 100 Millionen Euro. Weitere Marken könnten folgen. Die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd äußerten sich nicht. 

Bei Aldi Süd gebe es Pläne, den Anteil der Markenprodukte auf bis zu 25 Prozent zu steigern, zitiert das „Manager Magazin“ in seiner jüngsten Ausgabe einen handelserfahrenen Berater. Firmengründer Karl Albrecht stemme sich aber gegen das Ansinnen.

„Aldi Süd testet eine größere Zahl an Markenartikeln im Ausland seit geraumer Zeit“, sagt Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail. Aldi Nord und Aldi Süd stünden vor der Frage, ob sie ihr Konzept aufweichen wollen, das auf ein schmales Sortiment und Eigenmarken setzt. Das böte Chancen, berge aber auch Risiken. 

Aldi würde bei den neu ins Regal genommenen Markenprodukten mit seinem dichten Filialnetz über Nacht zu einem der größten Verkäufer aufsteigen. „Darüber werden die Wettbewerber nicht begeistern sein“, betonte Queck. Damit könnten sie sich nicht mehr so deutlich von Aldi abheben. Außerdem könnte Aldi den Preisdruck verschärfen: Bei einzelnen Markenprodukten, die Aldi Süd im Sortiment habe, sei das Preisniveau bei der Konkurrenz in der Region niedriger als im Gebiet von Aldi Nord, wo es dieses Produkt bei Aldi nicht gebe. 

Der Verkauf von Markenprodukten ist laut Queck aber wesentlich komplexer. „Aldi würde dann das gleiche Produkt wie die Konkurrenz anbieten und die Preise wären direkt vergleichbar“, erklärt der Experte. Hinzu komme, dass führende Markenartikel sehr häufig im Sonderangebot bei anderen Händlern zu finden seien. Wenn Aldi Markenartikel zum festen Preis in sein Dauersortiment nehme, laufe der Discounter Gefahr, beim Preis zumindest zeitweise unterboten zu werden. 

Die Sonderaktionen, mit denen verschiedene Handelsketten vor allem am Wochenende um Kunden werben, zeigten Wirkung. Die Marktforscher von Nielsen stellten für das Jahr 2010 eine weitere Umsatzverlagerung Richtung der umsatzstarken Tage Donnerstag, Freitag und Samstag fest, zu der die Sonderaktionen beigetragen hätten. Bei den Konsumgütern des täglichen Bedarfs lässt der Samstag mit einem Umsatzanteil von 22 Prozent am stärksten die Kassen klingeln. 

Markenartikel von namhaften Hersteller wie Danone oder Dr. Oetker sind mit hohen Umsätzen verbunden. Damit können nicht nur Supermärkte im harten Wettbewerb um Lebensmittel punkten. Auch der Erzrivale von Aldi, Lidl, bietet Markenartikeln an und wirbt mit Sonderangeboten zum Wochenende. Die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount zielt mit speziellen Angeboten ebenfalls auf die einkaufsstarken Wochentage.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zeitungsbericht: Aldi setzt auf Strahlkraft von Markenprodukten"

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  • da stellt sich die frage (praktiker soll ja auf ein ähnliches konzept setzen) wo bei der massenhaften verarmung der mittelschicht die käufer herkommen sollen. die heilsversprechen der gfk erweisen sich ja gewöhlich als rohrkrepierer, wenn dann die offiziellen zahlen der statistiker erscheinen.

  • Man sollte bedenken: es ist immer der Rest, der zu Käfer läuft.

  • Aldi sollte das mal mit den Marken lassen im Namen der Markenführung.

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