Zeitungsbericht
Großaktionär sieht Mehrheit gegen Tui-Aufsichtsratschef

Wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung des Tourismuskonzerns Tui sieht der Großaktionär John Fredriksen eine Mehrheit für die Abwahl des Aufsichtsratschefs Jürgen Krumnow.

HB MÜNCHEN/HANNOVER. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit unserem Antrag zur Abwahl von Herrn Krumnow die Mehrheit auf der Hauptversammlung finden“, sagte ein Sprecher des norwegischen Reeders der Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“. Tui-Chef Michael Frenzel glaubt nicht an einen Erfolg von Fredriksen. „Ich bedauere diese Zuspitzung, bin aber zuversichtlich, dass die Mehrheit der Investoren dem Antrag nicht folgt“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Die Hauptversammlung ist am 7. Mai. Fredriksen hält knapp zwölf Prozent der Tui-Aktien.

Ein Nachfolger Krumnows solle „unabhängig und glaubwürdig sein und Erfahrungen als Chef eines börsennotierten Unternehmens beziehungsweise als Aufsichtsratschef aufweisen“. Es habe in den vergangenen Wochen einen sehr „aktiven Dialog mit anderen Aktionären gegeben“. Die Gespräche deuteten daraufhin, dass „ein großer Teil der Aktionäre auf unserer Seite sein wird“, hieß es. Der große britische Pensionsfonds und Tui-Aktionär Hermes kündigte nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine Unterstützung der Abwahl von Krumnow an. „Wir werden für die Abwahl Krumnows stimmen, sofern es nicht kurzfristig noch zu einer Kompromisslösung kommt“, sagte Hermes-Direktor Hans-Christoph Hirt dem Blatt. Neben Hermes wollten viele Finanzinvestoren aus Amerika, Großbritannien und Australien dieser Linie folgen.

Nach der Abwahl Krumnows wolle Hermes sicherstellen, dass der angekündigte Verkauf der Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd professionell gehandhabt werde. Dem Bericht von „Euro am Sonntag“ zufolge monierte der Vertreter Fredriksens, dass es noch immer völlig offen sei, was mit dem Verkaufserlös des Tochterunternehmens geschehen solle. Frenzel sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“: „Wir haben bereits in unserem jüngsten Brief an die Aktionäre darauf hingewiesen, dass wir die Anteilseigner angemessen am Erlös beteiligen wollen. Gleichzeitig haben wir die große Chance, dieses Unternehmen weitgehend zu entschulden und ihm neue Wachstumsperspektiven im Reisegeschäft zu eröffnen.“ Die Hamburger Reederei ist Schätzungen zufolge rund fünf Milliarden Euro wert. Nach Angaben des Sprechers der norwegischen Reeders stehe Fredriksen selbst nicht für die Leitung des Aufsichtsrates zur Verfügung. Es sei offen, ob Fredriksen oder ein Vertrauter ein mögliches Mandat in dem Gremium übernehmen würden. Tui-Chef Frenzel wehrt sich gegen die Abwahl seines Aufsichtsratsvorsitzenden. Hinter ihm und Krumnow steht eine Gruppe befreundeter Aktionäre, darunter der russische Stahlmilliardär Andrej Mordaschow und die spanische Riu-Familie. Beide sind geschäftlich eng mit Tui verbunden.

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